Mai 12, 2015

Bezahlst Du heute?

Wenn wir frisch verliebt das Leben genießen, spielt Geld keine Rolle. Nicht mehr ganz so frisch verliebt, gibt es plötzlich genau darüber Streit. Warum fällt es Paaren so schwer, mit Geldfragen entspannt umzugehen?

Feierabend. Er kommt nach Hause, ruft schon in der Tür „Hallo!“ und eilt in die Küche.

Er: „Überraschung!“
Sie: „Aha?“
Er: „Ich habe endlich ein Hotel gefunden, sogar mit Privatstrand!“
Sie: „Hm.“
Er: „Ich weiß, das klingt bisschen schick, aber es hat Vorteile mit den Kindern!“
Sie: „Ehrlich gesagt, finde ich so ein Hotel zu teuer.“
Er: „Aber wir können es uns doch gerade leisten!“
Sie: „Wir? Du vielleicht. Ich könnte mir so ein Hotel nicht leisten!“
Er: „Aber – es ist doch unser Geld!“

Sie rollt mit den Augen, seufzt und verlässt die Küche.

Später am Abend sitzt das Paar wieder zusammen in der Küche. Sie verschluckt ein paar Tränen, die ihr peinlich wären. Er ist sehr still. Sie sehen sich an und blicken in ratlose Gesichter. Eigentlich sind sie doch glücklich. Auch nach zehn Jahren noch. Wieso streiten sie plötzlich über die Kosten eines Urlaubs, den sie sogar finanzieren könnten, weil es das gemeinsame Konto hergibt? Früher haben sie über Geld so gut wie nie gesprochen, geschweige denn gestritten. Was ist passiert?

Paare finden sich heute ohne Zwang. Die meisten gehen eine feste Beziehung ein, weil sie sich lieben. Geld hat bei dieser Entscheidung nach unserem vorherrschenden Verständnis nichts mehr verloren. Sobald zwei Liebende jedoch in eine gemeinsame Wohnung ziehen oder Kinder bekommen, wird aus dem Paar unweigerlich ein Haushalt. In guten wie in wirtschaftlich schlechteren Zeiten. Und plötzlich ist Geld ein Thema, auf das niemand vorbereitet war.

Nido-Autorin Susanne Lang fragt im Titelthema der aktuellen Ausgabe, ob Geld am Ende doch die Liebe kaputt macht. Und ob die vielen Streits über finanzielle Angelegenheiten nicht eigentlich eine andere Ursache haben, nämlich den nach wie vor schlechten Stand der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen.

 

Originalbeitrag lesen:

http://www.nido.de/artikel/bezahlst-du-heute

Februar 12, 2015

Nie wieder schlechter Sex

Über die Flaute im Bett beschweren, das kann doch jeder. Dabei liegt es an uns selbst alles besser zu machen, viel besser! 2015 könnte Euer erotischstes Jahr werden, sofern Ihr diese neun wichtigen Vorsätze befolgt!

 

9 Vorsätze, die jede Frau für 2015 fassen sollte und die garantieren, dass der Bettsport erfüllender denn je wird!

1. Schluss mit Orgasmuslügen

Den Orgasmus vorheucheln, das hat noch nie was gebracht. Vielleicht verletzen wir so kurzfristig sein Ego nicht, langfristig führt es jedoch nur zu extremem Frust im Bett. Ab jetzt stets ehrlich bleiben!

2. Schluss mit Verzicht auf Oralsex

„Er macht das eben einfach nicht gern“ ist der Satz, den keine Frau 2015 mehr sagen sollte. Klitorale Stimulierung ist wichtig, oftmals sogar der einzige Weg zum Orgasmus. Und mit seiner Zunge funktioniert es eben am besten.

3. Weg mit den Omaschlüpfern

Es ist ganz egal, ob Euch jemand in Unterwäsche sieht oder nicht: Mit einem Omaschlüpfer darunter hat keine Frau eine sinnliche Ausstrahlung, ganz einfach, weil sie sich darin nicht sexy fühlt.

4. Tacheles reden

Keine falsche Zurückhaltung oder Verlegenheit mehr: Sagt ihm, was Euch beim Sex gefällt und was nicht. Nicht mit Gesten oder Geräuschen. Kerle wollen Klartext und werden sich dafür erkenntlich zeigen.

In der Galerie: Was die Vagina mag und was sie nicht mag:

5. Endlich den G-Punkt finden

Der G-Punkt ist kein Mythos, es gibt ihn wirklich und jede Frau kann ihn finden und dann den Partner dorthin leiten. Die Suche beginnt auf Google, dann mit den Fingern. 30 Minuten konzentrierte Forschungsreise, und wir versprechen, Ihr habt ihn!

6. Immer bereit und geschützt

Warum die Kondome ihm überlassen? Jeder Single sollte das Verhütungsmittel stets bei sich tragen, wen er ausgeht. Das macht euch nicht zur Schlampe, sondern zur emanzipierten und vernünftigen Frau!

 

7. Kein Sex aus Verpflichtung

Keine Lust auf Sex? Dann habt auch keinen! Sex nur deshalb, weil er es will oder es an der Zeit wäre, bringt nichts als ein negatives Gefühl am Ende.

8. Keine Sorge um die Zahl

Auch Frauen sollten dringen damit aufhören sich über die Zahl ihrer Sexpartner Gedanken zu machen. Ihr habt Lust auf Sex mit der neuen Bekanntschaft? Dann los, denn was bei Männern okay ist, sollte es spätestens 2015 auch bei Frauen sein.

9. Mit Gewissheit ins neue Jahr

Wer schleppt die unangenehmen Tests ständig vor sich her? Wenn der letzte ungeschützte Verkehr drei Monate oder länger her ist, dann einfach einen Termin zum Bluttest vereinbaren und sichergehen, dass alles im grünen Bereich ist. Sich entspannt fühlen garantiert besseren Sex!

 

Website:

http://www.joy.de/liebe/artikel/a-61502/

Januar 22, 2015

Sex braucht Sicherheit

Viele Frauen haben gern Sex, wenn der Partner ihnen Sicherheit vermittelt, weiß Paartherapeut Oskar Holzberg.

 
„Du möchtest mit mir schlafen. Ich weiß ja was du brauchst. Ich weiß, dass du dich mir dann nah fühlst. Aber ich kann das so nicht. Vor allem, wenn ich mich gerade vorher noch so von dir kritisiert gefühlt habe.“ Frau V. lächelt ihren Mann unsicher an, der jetzt ganz erwartungsfroh guckt, aber nichts sagt. Sie schaut mich etwas ratlos an. „Wir sehen uns den ganzen Tag nicht“, sagt sie weiter an ihren Mann gerichtet, „und dann kommst du nach Hause, meckerst über das Chaos, wir bringen die Kinder ins Bett. Und meistens läufst du dann noch eine Runde, und ich gucke noch Nachrichten. Und dann sind wir beide geschafft, und es ist Zeit, ins Bett zu gehen. Und… und ich habe dann schon immer Angst. Und hoffe, dass du müde bist. Ich weiß ja, dass du dich dann abgelehnt fühlst, wenn ich nicht mit dir schlafen will. Und dann mache ich es auch, aber… eigentlich geht das nicht für mich.“

Frau V. fängt an zu weinen. Frau V. schläft gerne mit ihrem Mann. Aber nicht immer, wenn er es möchte. Und vor allem nicht, wenn sie gar keine innere Verbindung zu ihm fühlt. Aber irgendwie fühlt sie sich auch schuldig und kleinlich, dass sie ihrer Lust nicht freier nachgeben kann. Denn im Grunde ist es doch wunderbar, dass ihr Mann sie so begehrt. Was auch Herr V. findet. Er kommt zu sich, wenn er die anstrengende Welt hinter sich lassen kann, und kann es gar nicht erwarten, zu seiner Frau unter die Laken zu schlüpfen. Der Partner, der weniger Lust verspürt, bestimmt die Sexualität. Frau V. fühlt und weiß das. Aber sie empfindet keine Macht – eher Ohnmacht durch ein Dilemma, das sie nicht lösen kann.

Ein Dilemma, das viele Paare erleben. Männer scheinen durch Sex zur Nähe zu finden. Frauen hingegen finden eher durch emotionale Nähe zum Sex. Soziologen sehen die Geschlechterrollen als Ursachen hierfür an. Frauen sind mehr auf eine sichere Bindung angewiesen. Sie waren und sind wirtschaftlich abhängiger. Sie können schwanger und dann verlassen werden. Sie haben – weil sie sich nur in einem bestimmten Lebensalter fortpflanzen können – schlechtere Chancen auf dem Heiratsmarkt. Auch psychologische Studien zeigen, dass bei Frauen, anders als bei Männern, bei sexueller Erregung auch Hirnregionen aktiv sind, die für Urteile und Entscheidungen zuständig sind.

Lust wird immer im Zusammenhang mit der Situation und den Umständen erlebt. Sexuelle Erregung ist also damit verbunden, wie geborgen und vertraut sich die Beziehung anfühlt. Entsprechend zeigt sich in Untersuchungen, dass die langjährigen Paare, die sich einander insgesamt näher fühlen, auch ihre Sexualität als befriedigender einschätzen.

In einer festen Liebesbeziehung ist sexuelle Erregung also davon abhängig, wie nah und verbunden wir uns fühlen. Auch auf die Gefahr hin, vulgär zu klingen und dazu aufzufordern, ziemlich berechnend vorzugehen, habe ich Männern wie Herrn V. schon gesagt: „Wer ficken will, muss freundlich sein.“ Das prägt sich ein, ist leicht einzusehen und beschreibt einen von Männern häufig übersehenden Aspekt in der Sexualität von Paaren. Sex braucht Sicherheit.

 

Link zum Artikel:

www.brigitte.de/liebe/beziehung/

Oktober 14, 2014

Fühlen Sie sich ausgenutzt in Ihrer Beziehung?

Wir Frauen können uns beglückwünschen, dass wir jetzt leben und nicht früher. Früher, als Paarbeziehungen reine Zweckgemeinschaften waren. Als nicht die Liebe bei der Wahl des Gefährten die wichtigste Rolle spielte, sondern die Fragen, wie viel teures Geschirr in der Aussteuerkiste steckte und ob der Zukünftige einen großen oder einen kleinen Hof erben würde. Wir dagegen können es uns leisten, romantisch zu sein, einfach unserem Herzen zu folgen. Aber stimmt das wirklich?

Klar, Beziehungen sind heute anders als früher, aber unser Alltag ist keineswegs frei vom Zweckdenken in der Liebe. Ja, wir taxieren unsere Beziehungen vielleicht sogar noch kühler als unsere Vorfahren. Die Soziologin Eva Illouz nennt es „emotionalen Kapitalismus“. Das bedeutet: Wir gestalten unsere Partnerschaft immer mehr nach ökonomischen und politischen Verhandlungsmodellen. Schauen genau darauf, dass sie im Vergleich zum Alleinsein einen Mehrwert für uns bringt.

„Wer investiert wie viel?“ ist der Grundsound der Liebe. Wir führen geistige Strichlisten darüber, wer wie oft wessen Socken wäscht und die Kinder abholt. Wie viel jeder in seine Karriere buttert. Wir registrieren genau, wer wie oft „Ich liebe dich“ sagt und wie lange der Blowjob im Vergleich zum Cunnilingus dauert. Das klingt brutal. Aber wir haben es so gelernt. Weil wir in einer Kultur leben, in der wir aufgefordert sind, immer und überall unseren Nutzen zu maximieren. Natürlich wirkt sich diese Denkart auch auf unsere Beziehungen aus. Die Frage ist bloß: Was macht das mit uns? Lohnen sich Liebesbeziehungen, nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung betrachtet, überhaupt noch? Eigentlich brauchen wir ja keinen festen Partner mehr. Er ist weder zum Kinderkriegen zwingend notwendig noch als finanzielle Stütze unerlässlich. Könnten wir romantische Liebe und Sex also nicht einfach an vorübergehende Partner outsourcen und ansonsten unsere Ruhe vor dem ja doch auch immer wieder anstrengenden Beziehungsalltag haben?

Ideal wären eigentlich vier Partner

Die amerikanische Autorin Sandra Tsing-Loh kam in einem in den USA viel beachteten Essay zu genau dieser Bilanz: Sie beschrieb darin das Phänomen von Karrierefrauen, die, ökonomisch unabhängig von ihren Männern, diese nur noch als Störfaktor sähen, sobald sich der Schleier der Verliebtheit verzogen habe. Ideal, schlägt Tsing-Loh satirisch vor, seien für eine solche Frau nicht einer, sondern vier Partner: Mr. X als Mann für die anstrengende Alltagsverwaltung und vielleicht noch als Kindsvater, Mr. Y als romantischer Lover, der tanzen kann und Chardonnay anbietet, Mr. Z als eine Art Hausmeister, der alles repariert, und Mr. Q als Praktikant, für den Rest.

Sieht so die Zukunft aus? Entwickeln wir uns allmählich allesamt zu Beziehungsunternehmern, die ihren Marktwert im Internet angeben und Gefühle kalkuliert investieren?

Nicht unbedingt. Zumindest dann nicht, wenn uns neben ökonomischen und praktischen Erwägungen auch noch das eigene Glück am Herzen liegt. Das ahnt auch Tsing-Loh, die in ihrem Essay auf eine Langzeitstudie der renommierten Wharton School of Business verweist, die festgestellt hat, dass Frauen heute im Vergleich zu früher eindeutig unglücklicher sind – aller gesellschaftlichen Fortschritte zum Trotz. Wer daraus folgert, dass es Frauen in den 50ern besser ging, weil die Rolle der Hausfrau eben besser zu ihnen passt, denkt jedoch zu oberflächlich. Man kann aus der Studie auch einen anderen Schluss ziehen: dass eine Lebenswelt, die bis ins Privatleben und in Liebesbeziehungen hinein vom Prinzip der Profitmaximierung durchdrungen ist, niemanden wirklich glücklich macht.

Vielleicht ist es also eine im wahrsten Sinne unglückliche Entwicklung, wenn wir in unseren Beziehungen immer mehr aufrechnen und verhandeln. Vielleicht müssten wir öfter mal wirklich unserem Herzen folgen. Die Liebe an sich, das wird in Zeiten des Individualismus und der Selbstoptimierung gern vergessen, ist ein Gefühl, das Einheit will und skandalöserweise gar kein Interesse an persönlichen Profiten hat. Gegenseitiges Aufrechnen ist Verstandessache, Liebe aber ist irrational.

Sind wir zu hart geworden?

Wenn wir besonders tief lieben, das hat jeder schon einmal erlebt, drückt sich das sogar in einem unwiderstehlichen Drang zum Geben aus. Das steht scheinbar im Widerspruch zu dem, was die Frauen unserer Generation von Kindheit an gelernt haben: dass wir immer darauf pochen müssen, nie zu kurz zu kommen, schon gar nicht „aus Liebe“ zu einem Mann.

Keine Frage, es gibt Momente in Beziehungen, in denen es dumm ist, einfach aus Zuneigung zu handeln: wenn es um Dinge geht, die langwierige finanzielle Konsequenzen haben, zum Beispiel. Aber manchmal scheint es, als wären wir zu hart geworden, als hätten wir vergessen, dass es Momente gibt, in denen ein Stück Selbstaufgabe möglich und sogar tief befriedigend ist. Mal ehrlich: Die schönsten Momente in Beziehungen sind nicht diejenigen, in denen man weiß, dass man weder zu viel noch zu wenig gegeben hat, in denen also ein perfektes Gleichgewicht herrscht. Sondern es sind genau die Momente, in denen einer der Partner mehr gibt, als er eigentlich müsste.

Wenn der Liebste, genauso todmüde wie man selbst, sagt: „Nimm dir ein Buch, setz dich hin, ich mach das Abendessen.“ Oder wenn einer die Kinder einpackt und einen Ausflug macht, obwohl doch der andere mit Kinderhüten dran wäre. Neurobiologen haben herausgefunden, dass das Belohnungszentrum im Gehirn anspringt, wenn wir anderen Menschen etwas geben können. Deshalb fühlt Liebe sich nicht dann am besten an, wenn man den größtmöglichen Profit aus ihr zieht. Sondern wenn man sie freigebig gibt. Einfach so, ohne Strichliste.

Originalbeitrag lesen:

www.brigitte.de/liebe/beziehung/ausgenutzt-beziehung-1210208