Juli 11, 2017

Bergkarabach: Reise in ein Land, das es offiziell gar nicht gibt

Ein rostiger Wolga rast mit Affenzahn am Checkpoint vorbei. Der Grenzposten schiebt verschlafen seinen Oberkörper aus dem Fenster seines Büros, schaut ihm nach und winkt dann ab – was soll’s, vermutlich war das ein Russe. Die und natürlich Armenier haben freien Zugang nach Bergkarabach, diesem kleinen, selbsternannten Land mit gut 130.000 Einwohnern, das von keinem Staat der Welt anerkannt wird. Alle anderen brauchen ein Visum.

Kurz hinter Goris, der Stadt mit den roten Dächern im äußersten Südosten Armeniens, ragt dieses Bergkarabach, ein mächtiges Gebirgsmassiv, plötzlich aus der weitläufigen Hochebene in den Himmel. Nichts deutet darauf hin, dass um diesen Landstrich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erbittert gekämpft wurde. Gerade hier, am Latschin-Korridor, der in einem kleinen Checkpoint am Aghavno-Fluss mündet. Es ist der einzige offizielle Grenzübergang in die Republik Arzach, wie sich Bergkarabach in Anlehnung an das vorchristliche Armenierreich offiziell nennt.

Das Mobiltelefon zeigt, wie verfahren die Situation ist: „Willkommen in Aserbaidschan“, steht auf dem Display. Völkerrechtlich gehört Bergkarabach tatsächlich zu Aserbaidschan. Doch die Aseris haben diese ehemalige Exklave, in der seit Urzeiten fast ausschließlich Armenier lebten, in einem kurzen, blutigen Krieg vor über zwei Jahrzehnten verloren.

1992 haben armenische Truppen diese von christlichen Armeniern besiedelte Gegend „heimgeholt“ und das aserbaidschanische Gebiet zwischen Armenien und Bergkarabach gleich mitbesetzt. Im Gegenzug haben die Aseris kleinere Teile der Exklave erobert, Hunderttausende wurden auf beiden Seiten vertrieben, 30.000 Menschen starben. Seit 1994 herrscht ein Waffenstillstand.

Aserbaidschan fordert die besetzten Gebiete zurück, was die Armenier strikt ablehnen. Bergkarabach ist zum identitätsstiftenden Symbol der Armenier geworden – eines Volkes, das heute über die Welt verstreut lebt. Und das Probleme hat zu definieren, wo die Heimat anfängt. Und wo sie endet. Denn einst besiedelten Armenier ein Gebiet, das vom heute türkischen Adana am Mittelmeer bis ins persische Täbris reichte – einschließlich Bergkarabach.

Nur ein paar Tausend Besucher pro Jahr

Für die Welt ist Bergkarabach eine Krisengegend, erwachsen aus dem Chaos der untergegangenen Sowjetunion, ein Landstrich, den man meidet. Nur ein paar Tausend Besucher pro Jahr zieht es hierher, überwiegend Auslandsarmenier und „Länder-Sammler“, Menschen, die es für einen Stempel im Reisepass an die ungewöhnlichsten Orte auf unserem Planeten zieht.

Für die 64-jährige Inna Melkumova ist Bergkarabach ein Sehnsuchtsort, den sie nur aus den Erzählungen ihrer verstorbenen Eltern kennt. Diese wurden in diesem Bergmassiv geboren. In der Familiengeschichte der assyrisch-stämmigen Inna spiegelt sich die ganze Tragik dieser Region wieder: Ihre Vorfahren lebten ursprünglich im Osmanischen Reich, flohen dann aber vor dem Völkermord der Türken an Armeniern und Assyrern 1915 nach Russland.

Im armenisch besiedelten Bergkarabach fanden sie eine neue Heimat, auf einer christlichen Insel inmitten eines islamischen Ozeans. Doch die Sowjetzeiten brachten neue Verwerfungen mit sich. In der Stalin-Ära verschlug es die Familie ins aserbaidschanische Göygöl, wo Inna geboren wurde. Heute lebt sie als Rentnerin in Armeniens Hauptstadt Eriwan, ihre Familie hat es indes in alle Welt gezogen – nach Russland, Amerika, Deutschland.

Jetzt stehen Inna Melkumova und ihre 77-jährige Schwester Natalia am Grenzübergang. Zusammen mit ihrem aus Deutschland angereisten Sohn und weiteren Familienmitgliedern wollen die beiden Schwestern im hohen Alter erstmals dieses mythische Bergkarabach besuchen.

Ein Land, das für Inna bislang so unerreichbar weit weg schien wie der Ararat, der schneebedeckte heilige Berg der Armenier, der in der mit Armenien verfeindeten Türkei liegt. Und den sie vom Fenster ihrer Eriwaner Wohnung aus sehen kann.

Die Spuren des Krieges sind gegenwärtig

Nach Passieren der Grenze geht die Fahrt zügig weiter über eine gut ausgebaute Gebirgsstraße in Richtung Stepanakert, Hauptstadt von Bergkarabach, die man in zwei Stunden erreicht. Aber nur, falls man nicht hinter einer der zahlreichen, über die Serpentinen schleichenden Militärkolonnen kleben bleibt. 20.000 armenische Soldaten sichern den Status quo Bergkarabachs, eines Gebiets, doppelt so groß wie das Saarland.

Auch 20 Jahre nach Ende des Krieges sind dessen Spuren gegenwärtig – zum Beispiel in den zerstörten und verlassenen Häusern der Stadt Susa im Herzen Karabachs. In Susa hatten die Aseris damals ihre letzte Bastion, von hier aus schossen sie auf das im Tal gelegene Stepanakert. Doch die Armenier eroberten Susa, die Aseris wurden vertrieben. Gerade wurde die im Krieg zerstörte Erlöserkirche restauriert, ein den Armeniern heiliger Ort, an dem viel geheiratet wird.

14 Kilometer entfernt schlummert im Talkessel Stepanakert. Inna und Natalia, die Schwestern aus Eriwan, stehen am Fuß des Armenier-Denkmals, ein aus landestypischem Tuffstein konstruierter Doppelkopf, von den Bewohnern „mamig jew babig“ genannt, „Oma und Opa“.

Vor 50 Jahren wurde es erbaut, nach 1994 wurde es zum Symbol der Unabhängigkeit. Und mangels anderer Sehenswürdigkeiten in Stepanakert ein Anlaufpunkt für alle Gäste. Nur wenige Ausländer kommen vorbei, heute immerhin drei junge Esten, die sich am Denkmal fotografieren lassen und mit dem Fahrrad bis nach Georgien weiterradeln wollen.

Der 57-jährige Sergej Avanesyan steht mit seinem Souvenir-Stand auf dem leeren Parkplatz vor dem Denkmal. Er hat die landestypischen Kreuzsteine in Miniaturformat im Angebot, Chatschkar genannt, außerdem armenische Kreuze, Bergkarabach-Flaggen und geschnitzte Versionen von „mamig jew babig“. Doch niemand interessiert sich für seine Souvenirs.

„Ich habe schon Chinesen, Amerikaner und Australier bedient“, sagt er stolz, aber im Moment herrsche Flaute. „Das liegt am Ukraine-Krieg. Die Menschen denken, die ganze ehemalige Sowjetunion sei ein einziges Tollhaus. Doch schauen sie sich um, hier ist es friedlich wie im Paradies.“ Das sieht das Auswärtige Amt in Berlin anders: Es rät von Reisen nach Bergkarabach ab, weil es vor allem an der Waffenstillstandslinie immer mal zu kleineren Scharmützeln kommt.

Wer ist der berühmteste aller Armenier?

Davon spürt man freilich in Stepanakert nichts. Die Stadt wirkt verschlafen, ist weniger chaotisch und viel sauberer als Eriwan. Auf dem quirligen Marktplatz ist Lavash im Angebot, das armenische Fladenbrot, in einer nur hier erhältlichen Variante mit Bergkräutern durchsetzt. Und Montapur, Teigtaschen mit Hackfleisch gefüllt.

Die Schwestern aus Eriwan schlendern etwas orientierungslos über die „Straße der Befreier“, die Hauptgeschäftsstraße, auf der vergeblichen Suche nach einem Kaffeehaus. Stattdessen landen sie in einem kleinen Gemüseladen, wo die Verkäuferin über den Besuch aus Eriwan und Deutschland staunt und ihr Geschäft kurzerhand zum Café umfunktioniert.

Flugs setzt sie einen Kaffee auf dem kleinen Gasherd im Nebenraum auf und zaubert ein paar Stückchen zuckersüßes Baklava-Gebäck hervor. Man sitzt auf Obstkisten, plaudert, raucht und lacht, ein paar Nachbarn stoßen schnell hinzu. Gastfreundschaft hat bei Armeniern eine beinahe mythische Bedeutung.

Bald schon kommt man auf die Frage, wer wohl der berühmteste aller Armenier sei. „Henrich Mchitarjan“, wirft einer in die Runde, offenkundig Fußballfan. Zustimmendes Raunen. „Arthur Abraham“ – die Ladenbesitzerin schlägt den Profiboxer vor und erntet noch mehr Zuspruch.

Jetzt hagelt es Vorschläge aus allen Ecken: die Sängerin Cher, Ex-Tennisspieler André Agassi, Artjom Mikojan, „Erfinder“ der MIG-Kampfflugzeuge. Beim Po-Wunder Kim Kardashian stöhnt die Runde entnervt auf. Dann wird es skurril: Einer behauptet, Stalin sei das „Nebenprodukt“ einer Affäre seiner georgischen Mutter mit dem armenischen Hauslehrer, also Armenier.

Empörung macht sich breit, „Armenier finden selbst bei Indianern armenische Wurzeln“, sagt einer. Und schlägt Charles Aznavour vor. Der ist bekanntermaßen kein Indianer und hat armenische Eltern, auf den sind sie alle stolz hier, auf den einigen sie sich schnell. Und trinken einen selbst gebrannten Maulbeer-Wodka auf den armenischen Helden, der 2009 in Stepanakert war, um die neue Konzerthalle der Stadt einzuweihen. Ihr Name: Charles-Aznavour-Kulturzentrum.

Tipps und Informationen

Anreise: Reisen nach Bergkarabach sind nur von Armenien aus möglich. Flüge nach Eriwan/Armenien zum Beispiel mit Austrian via Wien oder Aeroflot via Moskau. Von Eriwan gehen stündlich Busse nach Stepanakert (sechs Stunden, zehn Euro). Möglich ist auch die Anreise per Mietwagen ab Eriwan. Für Bergkarabach benötigen Westeuropäer ein Visum, das nach Grenzübertritt in Stepanakert unkompliziert ausgestellt wird (sechs Euro) und bei der Ausreise vorzuzeigen ist.

Buchung: Man kann Bergkarabach mit einer Armenien-Rundreise kombinieren, muss sich den Abstecher aber selbst organisieren. Gebeco bietet zum Beispiel eine 9-tägige Gruppenreise „Entdeckungen am Fuße des Ararat“ ab 1295 Euro an inklusive Flügen, Programm, Teilverpflegung. Bei Dertour kostet eine viertägige Privatreise „Höhepunkte Armeniens“ ab/bis Eriwan ab 1330 Euro.

Unterkunft: Hotels in Stepanakert: „Park Hotel Artsakh“, einfach und ordentlich, ab 46 Euro; „Vallex Garden Hotel“, modern und gehoben, ab 56 Euro.

Sicherheitslage: Die Bundesregierung erkennt die „Republik Bergkarabach“ völkerrechtlich nicht an und rät von Reisen ab, weil es an der Waffenstillstandslinie zu Aserbaidschan hin und wieder zu Scharmützeln kommt. In Zentral-Bergkarabach und entlang der beschriebenen Route ist die Lage ruhig.

Auskunft: Die Website der Tourismusverwaltung von Bergkarabach bietet ausführliche Informationen: karabakh.travel/en/

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Gebeco. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

 

Artikel-Quelle:

http://www.welt.de/reise/Fern/article149040929

Juni 28, 2017

Bergkarabach: Reise in ein Land, das es offiziell gar nicht gibt

Ein rostiger Wolga rast mit Affenzahn am Checkpoint vorbei. Der Grenzposten schiebt verschlafen seinen Oberkörper aus dem Fenster seines Büros, schaut ihm nach und winkt dann ab – was soll’s, vermutlich war das ein Russe. Die und natürlich Armenier haben freien Zugang nach Bergkarabach, diesem kleinen, selbsternannten Land mit gut 130.000 Einwohnern, das von keinem Staat der Welt anerkannt wird. Alle anderen brauchen ein Visum.

Kurz hinter Goris, der Stadt mit den roten Dächern im äußersten Südosten Armeniens, ragt dieses Bergkarabach, ein mächtiges Gebirgsmassiv, plötzlich aus der weitläufigen Hochebene in den Himmel. Nichts deutet darauf hin, dass um diesen Landstrich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erbittert gekämpft wurde. Gerade hier, am Latschin-Korridor, der in einem kleinen Checkpoint am Aghavno-Fluss mündet. Es ist der einzige offizielle Grenzübergang in die Republik Arzach, wie sich Bergkarabach in Anlehnung an das vorchristliche Armenierreich offiziell nennt.

Das Mobiltelefon zeigt, wie verfahren die Situation ist: „Willkommen in Aserbaidschan“, steht auf dem Display. Völkerrechtlich gehört Bergkarabach tatsächlich zu Aserbaidschan. Doch die Aseris haben diese ehemalige Exklave, in der seit Urzeiten fast ausschließlich Armenier lebten, in einem kurzen, blutigen Krieg vor über zwei Jahrzehnten verloren.

1992 haben armenische Truppen diese von christlichen Armeniern besiedelte Gegend „heimgeholt“ und das aserbaidschanische Gebiet zwischen Armenien und Bergkarabach gleich mitbesetzt. Im Gegenzug haben die Aseris kleinere Teile der Exklave erobert, Hunderttausende wurden auf beiden Seiten vertrieben, 30.000 Menschen starben. Seit 1994 herrscht ein Waffenstillstand.

Aserbaidschan fordert die besetzten Gebiete zurück, was die Armenier strikt ablehnen. Bergkarabach ist zum identitätsstiftenden Symbol der Armenier geworden – eines Volkes, das heute über die Welt verstreut lebt. Und das Probleme hat zu definieren, wo die Heimat anfängt. Und wo sie endet. Denn einst besiedelten Armenier ein Gebiet, das vom heute türkischen Adana am Mittelmeer bis ins persische Täbris reichte – einschließlich Bergkarabach.

Nur ein paar Tausend Besucher pro Jahr

Für die Welt ist Bergkarabach eine Krisengegend, erwachsen aus dem Chaos der untergegangenen Sowjetunion, ein Landstrich, den man meidet. Nur ein paar Tausend Besucher pro Jahr zieht es hierher, überwiegend Auslandsarmenier und „Länder-Sammler“, Menschen, die es für einen Stempel im Reisepass an die ungewöhnlichsten Orte auf unserem Planeten zieht.

Für die 64-jährige Inna Melkumova ist Bergkarabach ein Sehnsuchtsort, den sie nur aus den Erzählungen ihrer verstorbenen Eltern kennt. Diese wurden in diesem Bergmassiv geboren. In der Familiengeschichte der assyrisch-stämmigen Inna spiegelt sich die ganze Tragik dieser Region wieder: Ihre Vorfahren lebten ursprünglich im Osmanischen Reich, flohen dann aber vor dem Völkermord der Türken an Armeniern und Assyrern 1915 nach Russland.

Im armenisch besiedelten Bergkarabach fanden sie eine neue Heimat, auf einer christlichen Insel inmitten eines islamischen Ozeans. Doch die Sowjetzeiten brachten neue Verwerfungen mit sich. In der Stalin-Ära verschlug es die Familie ins aserbaidschanische Göygöl, wo Inna geboren wurde. Heute lebt sie als Rentnerin in Armeniens Hauptstadt Eriwan, ihre Familie hat es indes in alle Welt gezogen – nach Russland, Amerika, Deutschland.

Jetzt stehen Inna Melkumova und ihre 77-jährige Schwester Natalia am Grenzübergang. Zusammen mit ihrem aus Deutschland angereisten Sohn und weiteren Familienmitgliedern wollen die beiden Schwestern im hohen Alter erstmals dieses mythische Bergkarabach besuchen.

Ein Land, das für Inna bislang so unerreichbar weit weg schien wie der Ararat, der schneebedeckte heilige Berg der Armenier, der in der mit Armenien verfeindeten Türkei liegt. Und den sie vom Fenster ihrer Eriwaner Wohnung aus sehen kann.

Die Spuren des Krieges sind gegenwärtig

Nach Passieren der Grenze geht die Fahrt zügig weiter über eine gut ausgebaute Gebirgsstraße in Richtung Stepanakert, Hauptstadt von Bergkarabach, die man in zwei Stunden erreicht. Aber nur, falls man nicht hinter einer der zahlreichen, über die Serpentinen schleichenden Militärkolonnen kleben bleibt. 20.000 armenische Soldaten sichern den Status quo Bergkarabachs, eines Gebiets, doppelt so groß wie das Saarland.

Auch 20 Jahre nach Ende des Krieges sind dessen Spuren gegenwärtig – zum Beispiel in den zerstörten und verlassenen Häusern der Stadt Susa im Herzen Karabachs. In Susa hatten die Aseris damals ihre letzte Bastion, von hier aus schossen sie auf das im Tal gelegene Stepanakert. Doch die Armenier eroberten Susa, die Aseris wurden vertrieben. Gerade wurde die im Krieg zerstörte Erlöserkirche restauriert, ein den Armeniern heiliger Ort, an dem viel geheiratet wird.

14 Kilometer entfernt schlummert im Talkessel Stepanakert. Inna und Natalia, die Schwestern aus Eriwan, stehen am Fuß des Armenier-Denkmals, ein aus landestypischem Tuffstein konstruierter Doppelkopf, von den Bewohnern „mamig jew babig“ genannt, „Oma und Opa“.

Vor 50 Jahren wurde es erbaut, nach 1994 wurde es zum Symbol der Unabhängigkeit. Und mangels anderer Sehenswürdigkeiten in Stepanakert ein Anlaufpunkt für alle Gäste. Nur wenige Ausländer kommen vorbei, heute immerhin drei junge Esten, die sich am Denkmal fotografieren lassen und mit dem Fahrrad bis nach Georgien weiterradeln wollen.

Der 57-jährige Sergej Avanesyan steht mit seinem Souvenir-Stand auf dem leeren Parkplatz vor dem Denkmal. Er hat die landestypischen Kreuzsteine in Miniaturformat im Angebot, Chatschkar genannt, außerdem armenische Kreuze, Bergkarabach-Flaggen und geschnitzte Versionen von „mamig jew babig“. Doch niemand interessiert sich für seine Souvenirs.

„Ich habe schon Chinesen, Amerikaner und Australier bedient“, sagt er stolz, aber im Moment herrsche Flaute. „Das liegt am Ukraine-Krieg. Die Menschen denken, die ganze ehemalige Sowjetunion sei ein einziges Tollhaus. Doch schauen sie sich um, hier ist es friedlich wie im Paradies.“ Das sieht das Auswärtige Amt in Berlin anders: Es rät von Reisen nach Bergkarabach ab, weil es vor allem an der Waffenstillstandslinie immer mal zu kleineren Scharmützeln kommt.

Wer ist der berühmteste aller Armenier?

Davon spürt man freilich in Stepanakert nichts. Die Stadt wirkt verschlafen, ist weniger chaotisch und viel sauberer als Eriwan. Auf dem quirligen Marktplatz ist Lavash im Angebot, das armenische Fladenbrot, in einer nur hier erhältlichen Variante mit Bergkräutern durchsetzt. Und Montapur, Teigtaschen mit Hackfleisch gefüllt.

Die Schwestern aus Eriwan schlendern etwas orientierungslos über die „Straße der Befreier“, die Hauptgeschäftsstraße, auf der vergeblichen Suche nach einem Kaffeehaus. Stattdessen landen sie in einem kleinen Gemüseladen, wo die Verkäuferin über den Besuch aus Eriwan und Deutschland staunt und ihr Geschäft kurzerhand zum Café umfunktioniert.

Flugs setzt sie einen Kaffee auf dem kleinen Gasherd im Nebenraum auf und zaubert ein paar Stückchen zuckersüßes Baklava-Gebäck hervor. Man sitzt auf Obstkisten, plaudert, raucht und lacht, ein paar Nachbarn stoßen schnell hinzu. Gastfreundschaft hat bei Armeniern eine beinahe mythische Bedeutung.

Bald schon kommt man auf die Frage, wer wohl der berühmteste aller Armenier sei. „Henrich Mchitarjan“, wirft einer in die Runde, offenkundig Fußballfan. Zustimmendes Raunen. „Arthur Abraham“ – die Ladenbesitzerin schlägt den Profiboxer vor und erntet noch mehr Zuspruch.

Jetzt hagelt es Vorschläge aus allen Ecken: die Sängerin Cher, Ex-Tennisspieler André Agassi, Artjom Mikojan, „Erfinder“ der MIG-Kampfflugzeuge. Beim Po-Wunder Kim Kardashian stöhnt die Runde entnervt auf. Dann wird es skurril: Einer behauptet, Stalin sei das „Nebenprodukt“ einer Affäre seiner georgischen Mutter mit dem armenischen Hauslehrer, also Armenier.

Empörung macht sich breit, „Armenier finden selbst bei Indianern armenische Wurzeln“, sagt einer. Und schlägt Charles Aznavour vor. Der ist bekanntermaßen kein Indianer und hat armenische Eltern, auf den sind sie alle stolz hier, auf den einigen sie sich schnell. Und trinken einen selbst gebrannten Maulbeer-Wodka auf den armenischen Helden, der 2009 in Stepanakert war, um die neue Konzerthalle der Stadt einzuweihen. Ihr Name: Charles-Aznavour-Kulturzentrum.

Tipps und Informationen

Anreise: Reisen nach Bergkarabach sind nur von Armenien aus möglich. Flüge nach Eriwan/Armenien zum Beispiel mit Austrian via Wien oder Aeroflot via Moskau. Von Eriwan gehen stündlich Busse nach Stepanakert (sechs Stunden, zehn Euro). Möglich ist auch die Anreise per Mietwagen ab Eriwan. Für Bergkarabach benötigen Westeuropäer ein Visum, das nach Grenzübertritt in Stepanakert unkompliziert ausgestellt wird (sechs Euro) und bei der Ausreise vorzuzeigen ist.

Buchung: Man kann Bergkarabach mit einer Armenien-Rundreise kombinieren, muss sich den Abstecher aber selbst organisieren. Gebeco bietet zum Beispiel eine 9-tägige Gruppenreise „Entdeckungen am Fuße des Ararat“ ab 1295 Euro an inklusive Flügen, Programm, Teilverpflegung. Bei Dertour kostet eine viertägige Privatreise „Höhepunkte Armeniens“ ab/bis Eriwan ab 1330 Euro.

Unterkunft: Hotels in Stepanakert: „Park Hotel Artsakh“, einfach und ordentlich, ab 46 Euro; „Vallex Garden Hotel“, modern und gehoben, ab 56 Euro.

Sicherheitslage: Die Bundesregierung erkennt die „Republik Bergkarabach“ völkerrechtlich nicht an und rät von Reisen ab, weil es an der Waffenstillstandslinie zu Aserbaidschan hin und wieder zu Scharmützeln kommt. In Zentral-Bergkarabach und entlang der beschriebenen Route ist die Lage ruhig.

Auskunft: Die Website der Tourismusverwaltung von Bergkarabach bietet ausführliche Informationen: karabakh.travel/en/

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Gebeco. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

 

Artikel-Quelle:

http://www.welt.de/reise/Fern/article149040929

Juni 22, 2017

Bergkarabach: Reise in ein Land, das es offiziell gar nicht gibt

Ein rostiger Wolga rast mit Affenzahn am Checkpoint vorbei. Der Grenzposten schiebt verschlafen seinen Oberkörper aus dem Fenster seines Büros, schaut ihm nach und winkt dann ab – was soll’s, vermutlich war das ein Russe. Die und natürlich Armenier haben freien Zugang nach Bergkarabach, diesem kleinen, selbsternannten Land mit gut 130.000 Einwohnern, das von keinem Staat der Welt anerkannt wird. Alle anderen brauchen ein Visum.

Kurz hinter Goris, der Stadt mit den roten Dächern im äußersten Südosten Armeniens, ragt dieses Bergkarabach, ein mächtiges Gebirgsmassiv, plötzlich aus der weitläufigen Hochebene in den Himmel. Nichts deutet darauf hin, dass um diesen Landstrich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erbittert gekämpft wurde. Gerade hier, am Latschin-Korridor, der in einem kleinen Checkpoint am Aghavno-Fluss mündet. Es ist der einzige offizielle Grenzübergang in die Republik Arzach, wie sich Bergkarabach in Anlehnung an das vorchristliche Armenierreich offiziell nennt.

Das Mobiltelefon zeigt, wie verfahren die Situation ist: „Willkommen in Aserbaidschan“, steht auf dem Display. Völkerrechtlich gehört Bergkarabach tatsächlich zu Aserbaidschan. Doch die Aseris haben diese ehemalige Exklave, in der seit Urzeiten fast ausschließlich Armenier lebten, in einem kurzen, blutigen Krieg vor über zwei Jahrzehnten verloren.

1992 haben armenische Truppen diese von christlichen Armeniern besiedelte Gegend „heimgeholt“ und das aserbaidschanische Gebiet zwischen Armenien und Bergkarabach gleich mitbesetzt. Im Gegenzug haben die Aseris kleinere Teile der Exklave erobert, Hunderttausende wurden auf beiden Seiten vertrieben, 30.000 Menschen starben. Seit 1994 herrscht ein Waffenstillstand.

Aserbaidschan fordert die besetzten Gebiete zurück, was die Armenier strikt ablehnen. Bergkarabach ist zum identitätsstiftenden Symbol der Armenier geworden – eines Volkes, das heute über die Welt verstreut lebt. Und das Probleme hat zu definieren, wo die Heimat anfängt. Und wo sie endet. Denn einst besiedelten Armenier ein Gebiet, das vom heute türkischen Adana am Mittelmeer bis ins persische Täbris reichte – einschließlich Bergkarabach.

Nur ein paar Tausend Besucher pro Jahr

Für die Welt ist Bergkarabach eine Krisengegend, erwachsen aus dem Chaos der untergegangenen Sowjetunion, ein Landstrich, den man meidet. Nur ein paar Tausend Besucher pro Jahr zieht es hierher, überwiegend Auslandsarmenier und „Länder-Sammler“, Menschen, die es für einen Stempel im Reisepass an die ungewöhnlichsten Orte auf unserem Planeten zieht.

Für die 64-jährige Inna Melkumova ist Bergkarabach ein Sehnsuchtsort, den sie nur aus den Erzählungen ihrer verstorbenen Eltern kennt. Diese wurden in diesem Bergmassiv geboren. In der Familiengeschichte der assyrisch-stämmigen Inna spiegelt sich die ganze Tragik dieser Region wieder: Ihre Vorfahren lebten ursprünglich im Osmanischen Reich, flohen dann aber vor dem Völkermord der Türken an Armeniern und Assyrern 1915 nach Russland.

Im armenisch besiedelten Bergkarabach fanden sie eine neue Heimat, auf einer christlichen Insel inmitten eines islamischen Ozeans. Doch die Sowjetzeiten brachten neue Verwerfungen mit sich. In der Stalin-Ära verschlug es die Familie ins aserbaidschanische Göygöl, wo Inna geboren wurde. Heute lebt sie als Rentnerin in Armeniens Hauptstadt Eriwan, ihre Familie hat es indes in alle Welt gezogen – nach Russland, Amerika, Deutschland.

Jetzt stehen Inna Melkumova und ihre 77-jährige Schwester Natalia am Grenzübergang. Zusammen mit ihrem aus Deutschland angereisten Sohn und weiteren Familienmitgliedern wollen die beiden Schwestern im hohen Alter erstmals dieses mythische Bergkarabach besuchen.

Ein Land, das für Inna bislang so unerreichbar weit weg schien wie der Ararat, der schneebedeckte heilige Berg der Armenier, der in der mit Armenien verfeindeten Türkei liegt. Und den sie vom Fenster ihrer Eriwaner Wohnung aus sehen kann.

Die Spuren des Krieges sind gegenwärtig

Nach Passieren der Grenze geht die Fahrt zügig weiter über eine gut ausgebaute Gebirgsstraße in Richtung Stepanakert, Hauptstadt von Bergkarabach, die man in zwei Stunden erreicht. Aber nur, falls man nicht hinter einer der zahlreichen, über die Serpentinen schleichenden Militärkolonnen kleben bleibt. 20.000 armenische Soldaten sichern den Status quo Bergkarabachs, eines Gebiets, doppelt so groß wie das Saarland.

Auch 20 Jahre nach Ende des Krieges sind dessen Spuren gegenwärtig – zum Beispiel in den zerstörten und verlassenen Häusern der Stadt Susa im Herzen Karabachs. In Susa hatten die Aseris damals ihre letzte Bastion, von hier aus schossen sie auf das im Tal gelegene Stepanakert. Doch die Armenier eroberten Susa, die Aseris wurden vertrieben. Gerade wurde die im Krieg zerstörte Erlöserkirche restauriert, ein den Armeniern heiliger Ort, an dem viel geheiratet wird.

14 Kilometer entfernt schlummert im Talkessel Stepanakert. Inna und Natalia, die Schwestern aus Eriwan, stehen am Fuß des Armenier-Denkmals, ein aus landestypischem Tuffstein konstruierter Doppelkopf, von den Bewohnern „mamig jew babig“ genannt, „Oma und Opa“.

Vor 50 Jahren wurde es erbaut, nach 1994 wurde es zum Symbol der Unabhängigkeit. Und mangels anderer Sehenswürdigkeiten in Stepanakert ein Anlaufpunkt für alle Gäste. Nur wenige Ausländer kommen vorbei, heute immerhin drei junge Esten, die sich am Denkmal fotografieren lassen und mit dem Fahrrad bis nach Georgien weiterradeln wollen.

Der 57-jährige Sergej Avanesyan steht mit seinem Souvenir-Stand auf dem leeren Parkplatz vor dem Denkmal. Er hat die landestypischen Kreuzsteine in Miniaturformat im Angebot, Chatschkar genannt, außerdem armenische Kreuze, Bergkarabach-Flaggen und geschnitzte Versionen von „mamig jew babig“. Doch niemand interessiert sich für seine Souvenirs.

„Ich habe schon Chinesen, Amerikaner und Australier bedient“, sagt er stolz, aber im Moment herrsche Flaute. „Das liegt am Ukraine-Krieg. Die Menschen denken, die ganze ehemalige Sowjetunion sei ein einziges Tollhaus. Doch schauen sie sich um, hier ist es friedlich wie im Paradies.“ Das sieht das Auswärtige Amt in Berlin anders: Es rät von Reisen nach Bergkarabach ab, weil es vor allem an der Waffenstillstandslinie immer mal zu kleineren Scharmützeln kommt.

Wer ist der berühmteste aller Armenier?

Davon spürt man freilich in Stepanakert nichts. Die Stadt wirkt verschlafen, ist weniger chaotisch und viel sauberer als Eriwan. Auf dem quirligen Marktplatz ist Lavash im Angebot, das armenische Fladenbrot, in einer nur hier erhältlichen Variante mit Bergkräutern durchsetzt. Und Montapur, Teigtaschen mit Hackfleisch gefüllt.

Die Schwestern aus Eriwan schlendern etwas orientierungslos über die „Straße der Befreier“, die Hauptgeschäftsstraße, auf der vergeblichen Suche nach einem Kaffeehaus. Stattdessen landen sie in einem kleinen Gemüseladen, wo die Verkäuferin über den Besuch aus Eriwan und Deutschland staunt und ihr Geschäft kurzerhand zum Café umfunktioniert.

Flugs setzt sie einen Kaffee auf dem kleinen Gasherd im Nebenraum auf und zaubert ein paar Stückchen zuckersüßes Baklava-Gebäck hervor. Man sitzt auf Obstkisten, plaudert, raucht und lacht, ein paar Nachbarn stoßen schnell hinzu. Gastfreundschaft hat bei Armeniern eine beinahe mythische Bedeutung.

Bald schon kommt man auf die Frage, wer wohl der berühmteste aller Armenier sei. „Henrich Mchitarjan“, wirft einer in die Runde, offenkundig Fußballfan. Zustimmendes Raunen. „Arthur Abraham“ – die Ladenbesitzerin schlägt den Profiboxer vor und erntet noch mehr Zuspruch.

Jetzt hagelt es Vorschläge aus allen Ecken: die Sängerin Cher, Ex-Tennisspieler André Agassi, Artjom Mikojan, „Erfinder“ der MIG-Kampfflugzeuge. Beim Po-Wunder Kim Kardashian stöhnt die Runde entnervt auf. Dann wird es skurril: Einer behauptet, Stalin sei das „Nebenprodukt“ einer Affäre seiner georgischen Mutter mit dem armenischen Hauslehrer, also Armenier.

Empörung macht sich breit, „Armenier finden selbst bei Indianern armenische Wurzeln“, sagt einer. Und schlägt Charles Aznavour vor. Der ist bekanntermaßen kein Indianer und hat armenische Eltern, auf den sind sie alle stolz hier, auf den einigen sie sich schnell. Und trinken einen selbst gebrannten Maulbeer-Wodka auf den armenischen Helden, der 2009 in Stepanakert war, um die neue Konzerthalle der Stadt einzuweihen. Ihr Name: Charles-Aznavour-Kulturzentrum.

Tipps und Informationen

Anreise: Reisen nach Bergkarabach sind nur von Armenien aus möglich. Flüge nach Eriwan/Armenien zum Beispiel mit Austrian via Wien oder Aeroflot via Moskau. Von Eriwan gehen stündlich Busse nach Stepanakert (sechs Stunden, zehn Euro). Möglich ist auch die Anreise per Mietwagen ab Eriwan. Für Bergkarabach benötigen Westeuropäer ein Visum, das nach Grenzübertritt in Stepanakert unkompliziert ausgestellt wird (sechs Euro) und bei der Ausreise vorzuzeigen ist.

Buchung: Man kann Bergkarabach mit einer Armenien-Rundreise kombinieren, muss sich den Abstecher aber selbst organisieren. Gebeco bietet zum Beispiel eine 9-tägige Gruppenreise „Entdeckungen am Fuße des Ararat“ ab 1295 Euro an inklusive Flügen, Programm, Teilverpflegung. Bei Dertour kostet eine viertägige Privatreise „Höhepunkte Armeniens“ ab/bis Eriwan ab 1330 Euro.

Unterkunft: Hotels in Stepanakert: „Park Hotel Artsakh“, einfach und ordentlich, ab 46 Euro; „Vallex Garden Hotel“, modern und gehoben, ab 56 Euro.

Sicherheitslage: Die Bundesregierung erkennt die „Republik Bergkarabach“ völkerrechtlich nicht an und rät von Reisen ab, weil es an der Waffenstillstandslinie zu Aserbaidschan hin und wieder zu Scharmützeln kommt. In Zentral-Bergkarabach und entlang der beschriebenen Route ist die Lage ruhig.

Auskunft: Die Website der Tourismusverwaltung von Bergkarabach bietet ausführliche Informationen: karabakh.travel/en/

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Gebeco. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

 

Artikel-Quelle:

http://www.welt.de/reise/Fern/article149040929

Januar 26, 2017

Katalonien: Ein starkes Comeback

Dass ich Katalonien endgültig verfallen war, merkte ich, als mir sehr heiß wurde. Ich meine nicht am Strand – es gibt herrliche Strände in Katalonien, aber die gibt es ja woanders ebenso. Ich meine auch nicht beim Wandern im Priorat, obwohl Wandern im Priorat mit das Schönste ist, was man im Leben machen kann. Nein, ich meine beim Correfoc.

Correfoc, das heißt Feuerlauf und ist in fast jeder katalanischen Gemeinde der Höhepunkt der Festa Major – des jährlichen mehrtägigen Sommerfestes zu Ehren der örtlichen Schutzheiligen. Beim Correfoc drücken diese Heiligen ein Auge zu, denn da ist der Teufel los. Buchstäblich. Da tut die Hölle ihren Schlund auf und entlässt ihre Kreaturen: Drachen und Feuerbestien aller Art, bis hin zu Flammen speienden Riesenmaultieren. Und um diese pyromanischen Pappmaschee-Monster herum wimmeln Mengen von rasenden Dämonen, die Funken sprühende Forken schwingen. Der Donner der Trommeln und das Quäken der gralles, der katalanischen Schalmeien, gehen bald unter in dem Lärm, mit dem das Pandämonium Jagd aufs Publikum macht. Wer dabeisteht, wird gnadenlos mit hineingerissen in den Taumel aus Licht und Krach und Hitze; wird durchgeschüttelt, aufgerüttelt, durcheinandergewirbelt; und tastet sich dann irgendwann, rußverschmiert und schweißgebadet, aus einem ganz anderen Bewusstseinszustand wieder zurück in die Normalität.

 

Wenn es darum geht, Katalonien oder die Katalanen zu charakterisieren, muss oft das Brauchtum herhalten. Vorzugsweise die Sardana, der komplizierte Ringelpiez, zu dem der Künstler Santiago Rusiñol das Bonmot prägte: „Die Sardana hat den Rhythmus Kataloniens – das Herz tanzt, der Kopf rechnet.“ Oder auch die castells, die berühmten Menschentürme, deren Bau in Katalonien Volkssport ist und ein besonders eindrucksvolles Sinnbild für die Tugend des sozialen Zusammenhalts abgibt. Ich finde aber den Correfoc genauso vielsagend. Als Ritual, um „mal alles rauszulassen“ und ein Tänzchen mit den Dämonen, auch den eigenen, zu wagen. Ein Ritual übrigens, das über Jahrhunderte erprobt ist und bei dem die Einzigen, die sich verletzen, leichtsinnige Touristen sind. Wenn Sie also mitwirbeln wollen, ziehen Sie bitte keine Sonntagskleidung an, Kapuze und Augenschutz verstehen sich von selbst.  

So ein Correfoc ist das Hochamt der rauxa. Und rauxa (gesprochen „rauscha“) ist das, wonach es klingt: ein Zustand der Übergeschnapptheit, der einem alten Klischee zufolge die eine Seite des katalanischen Wesens ausmacht. Die andere Seite ist demnach seny (gesprochen „senj“) – Besonnenheit, Vernunft, Geschäftssinn. Um die vermeintlich nüchternen Katalanen gegen die ach so impulsiven Spanier abzugrenzen, hieß es bei dieser Zuschreibung früher gebetsmühlenhaft, seny sei die Regel und rauxa die seltene Ausnahme. Man macht ja auch nicht jede Woche einen Correfoc. In den letzten Jahren aber hat sich das katalanische Image gerade in Deutschland stark in Richtung rauxa verschoben: Wie können die so verrückt sein, sich von Spanien loslösen und ihren eigenen Staat gründen zu wollen?

 

Das lassen Sie sich am besten von ihnen selbst erklären. Hier nur so viel: Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass die Unabhängigkeitsdebatte für viele Katalanen und auch für viele Spanier ein riesiges und sehr aufwühlendes Thema ist. Und versuchen Sie es weniger einseitig zu betrachten, als es die deutsche Presse oft tut. Wenn es um den katalanischen independentisme geht, übernehmen die Korrespondenten, die ja durchweg in Madrid sitzen, erstaunlich unkritisch die Haltung spanisch-zentralistischer Kreise. Da ist viel ranziges Ressentiment im Spiel, auch immer noch viel unverdaute Propaganda aus der Franco-Zeit, als der Diktator aus Spanien eine rückständige Monokultur machen wollte.

Je nach politischen Vorlieben mag man die katalanisch-spanische Geschichte unterschiedlich bewerten, zweierlei lässt sich aber kaum abstreiten. Erstens: Dass Katalonien heute zu Spanien gehört, ist die Folge einer gewaltsamen Besetzung, nicht einer freiwilligen Übereinkunft. Die Kapitulation Barcelonas im Erbfolgekrieg besiegelte 1714 die Eingliederung der katalanisch-sprachigen Gebiete in das Reich der Bourbonenkönige. Zweitens: Jahrhundertelang hat sich dieses siegreiche Spanien mal mehr, mal weniger rabiat bemüht, die katalanische Sprache und Kultur zu unterdrücken. Am schlimmsten unter dem Franco-Regime, für das die eigensinnigen Katalanen neben den Kommunisten und den Anarchisten das Hauptfeindbild waren. Vor diesem Hintergrund reagiert die katalanische Bevölkerung auch heute noch sehr hitzig, wenn der spanische Staat, so wie in den letzten Jahren, wie- der versucht, ihre mühsam erkämpften Autonomierechte zurückzuschneiden.

Aufgespürt:

http://www.zeit.de/entdecken/

Juni 22, 2016

Mythos Monaco: Als Zaungast im Reservat der Reichen

Vor der neobarocken Türmchenfassade der Spielbank in Monte Carlo plätschert der Springbrunnen, doch man hört ihn kaum. Ein tiefes Dröhnen liegt in der Luft, ein kontinuierliches Rattern, Wummern und Hämmern. Der Boden bebt. Gleich drei Kräne ragen hinter dem „Hôtel de Paris“ empor, dessen cremeweiße Belle-Époque-Fassade vornehm wie eh und je auf den Platz herabblickt.

Doch viel mehr als die Frontmauer steht nicht mehr vom Original, fast der gesamte rückwärtige Teil wurde abgerissen. Durch den gewaltigen neuen Betonrohbau klettern Männer mit blauen Helmen, die damit beschäftigt sind, eines der ersten Luxushotels der Côte d’Azur nach über 150 Jahren in völlig neuer Form wiederauferstehen zu lassen – etwas Zukunftsweisendes soll es werden, mit Innengarten, Dachvillen, Spa und noch viel mehr Suiten als bisher.

Das einstige Nachbargebäude, ein Art-déco-Bau namens „Sporting d’Hiver“, ist gänzlich vom Erdboden verschwunden. Hier werden gerade die Fundamente für einen neuen Kongress- und Wohnkomplex in den Grund getrieben. Die alten Mieter – Luxusboutiquen von Chanel, Balenciaga, Miu-Miu – wurden übergangsweise in die nahen Grünanlagen umgesiedelt, in futuristische Aluminium-Pavillons, die sich wie plattgedrückte Golfbälle unter Palmen und Schirmpinien ducken.

Den Reichen bei ihrer Nabelschau zusehen

Monaco, dieser gut zwei Quadratkilometer messende Fleck an der französischen Riviera, erlebt gerade einen Totalumbau. Altes wird aufgehübscht, auf neu getrimmt oder gleich ersetzt. Mit solcherlei Frischzellenkuren versucht das Fürstentum, seinen Ruf als Nobelort zu halten, auch wenn es durch immer dichtere, immer engere Bebauung an Noblesse verliert und längst nicht mehr nur ein nobles Publikum anlockt.

Dabei ist der Blick aufs Noble einer der wichtigsten Gründe, nach Monaco zu fahren. Niemand fährt hierher, um einfach Urlaub am Meer zu machen. Es ist eng, voll und teuer. Seine knapp 38.000 Einwohner drängen sich auf einer Fläche, die so groß ist wie der Botanische Garten von Dresden. Wohntürme – der höchste hat 49 Etagen – klettern unterhalb der Autobahn dicht an dicht den steilen Hang zum Meer hinunter, in schmalen Straßenschluchten staut sich der Verkehr.

Statt langer öffentlicher Strände gibt es Kreuzfahrtkais, statt Mittelklassepensionen Fünfsternehotels wie das prächtige „Métropole“. Hier hat Karl Lagerfeld den Pool entworfen, und in der Lobby, einer creme- und terrakottafarbenen Hommage an die italienische Renaissance, sitzt eine Dame beim Tee, die ihren Schoßhund in einer Hermès-Handtasche aufbewahrt.

Hundert Meter weiter, auf der Terrasse des „Café de Paris“, steht ein gewöhnlicher Apérol Spritz für 18 Euro auf der Karte. Da kann man natürlich empört aufstehen und gehen, wie es soeben ein zweckmäßig gekleidetes Paar aus dem Bayerischen vormacht.

Oder man liest weiter, bis man auf dieses Glas Côtes-de-Provence-Rosé stößt, für acht Euro, dazu Oliven, Cracker und Prachtblick auf vorbeistakende Osteuropäerinnen im Hermelinjäckchen. So viel kostet es gar nicht, ein Stündchen auch dazuzugehören und den Reichen bei ihrer Nabelschau zuzusehen.

Milliardenvermögen in greifbarer Nähe

Ein feiner Ort hierfür ist auch der Platz vor dem Kasino. Hier scheint die noble Welt in bester Ordnung zu sein. Früher Abend ist es, vom Sonnenuntergang gerötete Wölkchen schweben über dem kupfergrünen Kasinodach. Alle Statisten sind auf ihren Plätzen. Neben der Freitreppe parken: ein deutscher Mercedes AMG mit Thüringer Kennzeichen, ein schwarzer Ferrari aus der Schweiz, ein Bentley mit verspiegelten Scheiben und russischem Nummernschild, mehrere Porsches.

Weitere Gefährte gleiten heran, die Wagenmeister der Spielbank, im schwarzen Frack, reißen Türen auf. Paare steigen aus. Lange Kleider werden gerafft, Hemdkragen zurechtgezogen, dann geht es auf roten Louboutin-Sohlen die Stufen zum Eingang hinauf, ein bisschen gelangweilt und absichtsvoll desinteressiert am anderen Teil der Show, der auf der gegenüberliegenden Seite der Fahrbahn vor dem Springbrunnen stattfindet: dem Drängen und Staunen der Schaulustigen.

„Die Reichen und die Neugierigen“ heißt das Stück, das jeden Abend auf der Plâce du Casino gegeben wird, und tagsüber in abgeschwächter Form auch im restlichen Fürstentum. Es gehört zu Monaco wie die Wachablösung vor dem Grimaldi-Schloss, das Formel-1-Rennen, der Yachthafen.

Selfies vor Luxuskarossen, der direkte, unverstellte Blick auf Glanz und Bling-Bling, die greifbare Nähe zu Millionen- und Milliardenvermögen – das kriegt man hier direkt und unkompliziert. Glamour strahlt der winzige Stadtstaat am nördlichen Ende der Côte d’Azur aus, seit hier 1863 das Kasino eröffnete, und noch stärker, nachdem in den 50er-Jahren die Hollywood-Schauspielerin Grace Kelly in die Fürstenfamilie einheiratete und das Glücksspielparadies beim Jetset populär machte.

Monaco verdankt seinen Reichtum dem Glücksspiel

Davon fühlen sich heute nicht nur Klatschblattleserinnen angesprochen. Sieben junge Engländer haben sich am Springbrunnen vor der Spielbank eingefunden. Sie tragen schmale Krawatten zu engen grauen Anzügen, als wollten sie zu einem Soul-Allnighter in Blackpool.

Immer wieder rempeln sie sich aufregt in die Seiten. „Unser Freund feiert 18. Geburtstag“, erzählt einer von ihnen. „Wir sind aus Newcastle hergeflogen. Gleich geht’s ins Kasino!“ Dann kontrolliert er, dem man die Volljährigkeit nicht ansieht, zum ungefähr neunten Mal, ob er auch wirklich seinen Personalausweis dabeihat.

Dem Glücksspiel verdankt Monaco seinen Reichtum – und der Tatsache, dass es von seinen Bewohnern keine Steuern nimmt. Außer rund 8000 echten Monegassen leben hier nur Menschen mit viel Geld, fast jeder Dritte ist Dollar-Millionär. Für sie ist es günstiger, exorbitante Summen für Immobilien auszugeben, als zu Hause ihr Vermögen zu versteuern.

Der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter Wohnung liegt bei 60.000 US-Dollar. So etwas leisten sich zum Beispiel Formel-1-Fahrer, Fußballprofis, Magnaten, ordinäre Oligarchen und „ganz normale Deutsche“, die – wie eine Mitarbeiterin im „Métropole“ ausplaudert – das zweistöckige Penthouse gegenüber dem Hotel bewohnen, samt Dachgarten und Majolika-Kuppel. Zu sehen ist ein blasser Jüngling mit rosa Krawatte, der einem Arbeiter im Overall gerade irgendwas zum Thema Gartenschlauch erklärt. Er sieht aus wie Devid Striesow.

Die Kulisse funkelt, weil diese Zugereisten einen bestimmten Lebensstil pflegen. Bugattis und Maseratis, so weit das Auge reicht, man schaut bald gar nicht mehr hin. An der Bar im „Fairmont-Hotel“ muss man sich zwischen mehr als 30 Champagnersorten entscheiden.

In der Einkaufsstraße Rue de Grimaldi findet sich zwischen Bank und Lampenladen ein Geschäft, in dem der Monegasse für ein paar Millionen einen runderneuerten Privatjet erwerben kann. Es gibt Bombardiers, Dassaults und Falcons, alle mit Schlafzimmer, Besprechungsraum und „Vorbesitzer“, wie der Gebrauchtstatus dezent umschrieben wird.

Und vor dem Fußballstadion Louis II, das von außen wie eine Shoppingmall wirkt, sammeln sich wenige Stunden vor Anpfiff des Erstligaspiels keine betrunkenen Hooligans, sondern 50 bildschöne junge Mädchen. Ein Casting? „Mais non!“, ruft die Dame mit dem strengen Dutt und dem Clipboard unter dem Arm. „Heute spielt doch der AS Monaco gegen Lille! Das sind unsere Hostessen für die VIP-Logen.“

Der Yachtclub bleibt eine Bastion der Elite

Millionen schwimmen auch im Wasser. Die größten Yachten im Hafen haben vier Decks, Autoparkplatz, lederne Sitzlandschaften für 20 Personen und sind von eindrucksvoller Scheußlichkeit.

Das schönste Schiff in der Marina dagegen ist gar keins, es sieht nur so aus: der neue Sitz des Yacht Club de Monaco, ein Gebäude in Bootsform mit blitzblanken Glasfronten, „Pooldeck“ und geschwungener Reling. Leider kommt man nicht so einfach hinein. Am „Visitor’s Desk“ hält ein echter Hamburger namens Michael die Stellung und lässt niemanden passieren, der nicht in Begleitung eines Clubmitglieds ist.

Der Yacht Club will wohl auch weiter eine der Bastionen der gesellschaftlichen Elite im Fürstentum bleiben, so wie der Automobile Club de Monaco, der jedes Jahr das Formel-1-Rennen ausrichtet. Sehr einflussreiche Einheimische erkennt man übrigens daran, dass sie neben ihrem monegassischen Autokennzeichen beide Clubwappen angebracht haben, den goldenen Anker und das goldene Lenkrad. „Sie dürfen aber gern unsere Clubzeitschrift mitnehmen“, sagt Michael zum Abschied versöhnlich.

Als Normalverdiener könnte man sich jetzt ein wenig ausgeschlossen fühlen, Neid und Missgunst entwickeln. Doch viel angenehmer ist es, sich mit den Annehmlichkeiten zu trösten, die diese makellose Welt auch für den unbegüterten Besucher bereithält: das laue Mittelmeerlüftchen, den Duft von Jasminduft, das raschelnde Palmengrün – und die Tatsache, dass kein einziger Hundehaufen den Bummel zu beeinträchtigen droht.

Man spaziert durch aufgetakelte Kulissen, gleitet lautlos auf Rolltreppen dahin und freut sich darüber, dass selbst die dicksten russischen Schlitten freundlich vor jedem Zebrastreifen abbremsen. Es ist eine Welt, in der es zwar ein Rotes Kreuz gibt, das für Flüchtlinge sammelt, aber für die drüben in Italien; im Fürstentum selbst scheint es keine Gestrandeten zu geben, die Hilfe benötigen.

Monaco ist ein goldenes Disneyland. Dazu passt, dass selbst das Mittelmeer seine Dünung rücksichtsvoll und beinahe lautlos gegen die Kaimauer des Stadtviertels Fontvieille prallen lässt.

Luxusspeisen im Doggy Bag

Über dem Meer knattern die Helikopter, die Monaco mit dem Flughafen von Nizza verbinden. Die Landeplattform des Heliports schwebt halb über dem Wasser; unter rotierenden Hubschrauberflügeln läuft ein mittelaltes, fülliges Paar geduckt auf den Terminal zu. Er trägt graue Freizeithosen, sie tizianrote Haare. In einem Fernbus würden sie nicht auffallen.

Abends wird man die beiden im „Blue Bay“ wiedersehen, dem weißen Sterne-Restaurant des großartigen karibischen Küchenchefs Marcel Ravin, wo das bei 61 Grad gegarte Bio-Ei mit schwarzem Trüffel und Maracuja 45 Euro kostet. Sie haben sich umgezogen und sehen glücklich aus.

Die Reste ihrer Mahlzeit tragen sie in einem fröhlich bedruckten Doggy Bag aus dem Restaurant. Die Pappkartons sind eine neue, nicht ganz unumstrittene Initiative von Monacos Regierung, die sich gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln richtet.

Glamour kam früher nicht im Karton. Aber auch Monaco geht mit der Zeit. Wenn Kim Kardashian und Heidi Klum Weltstars werden können, dann dürfen auch im Fürstentum die Standards bröckeln. Dann dürfen junge Araber in Joël Robuchons Japan-Restaurant Jeans und Turnschuhe tragen und zwischen Austern und Sushi-Gang Candy Crush auf ihrem Handy spielen. Reich und schön ist immer auch eine Frage der Perspektive.

Wenig Glamour im Kasino

Und im Kasino, wo einst Winston Churchill Unsummen verspielte? Dort sind unter den Kristalllüstern heute nur zwei Roulette- und zwei Black-Jack-Tische in Betrieb. Drumherum ein überraschend kümmerliches Publikum. Zwei aufgeregt kichernde Freundinnen um die 40, eingenäht in bodenlange, bonbonfarbene Satinkleider, auf viel zu hohen Absätzen und noch ohne männliche Begleitung.

Blutjunge Flitterwöchner, gelangweilt wirkende Männer in billigen Sakkos. Keine Spur von all den schicken Luxuskarossenfahrern, die entweder durch den Hintereingang gleich wieder hinausspaziert sind oder ihr Geld in den „salons privés“ setzen, deren Besuch extra Eintritt kostet.

Wenigstens die Jungs aus Newcastle in ihren Anzügen sind noch da. Wenn auch nicht mehr lange. „Ich habe jetzt genau 40 Pfund verloren. Das war’s“, sagt einer und trinkt seinen Weißwein aus. „Man muss wissen, wann Schluss ist.“

Tipps und Informationen

Anreise: Zum Beispiel fliegen Lufthansa von Frankfurt und Easyjet von Berlin aus nach Nizza. Von dort gibt es eine Hubschrauberverbindung mit Héli Air Monaco. Der siebenminütige Flug kostet ab 220 Euro pro Person hin und zurück. Der Airport-Express-Bus „Rapides Côte d’Azur“ braucht 45 Minuten für die Fahrt nach Monaco und kostet 33 Euro hin und zurück.

Unterkunft: Das „Hotel Métropole“ liegt direkt beim Kasino, es bietet Fünf-Sterne-Chic und Pool-Garten, DZ ab 430 Euro, metropole.com. Für das „Fairmont Monte Carlo“ spricht der lässige Lifestyle, DZ ab 270 Euro, fairmont.com. Das „Columbus Hotel“ liegt zwar etwas abgelegen im Stadtteil Fontvieille, hat aber mit dem Rennfahrer David Coulthard einen berühmten Chef, DZ ab 170 Euro, columbushotels.com.

Auskunft: visitmonaco.com/de

Erstmals veröffentlicht:

http://www.welt.de/reise/article155759135

Juni 20, 2016

Tochter der Khasi

Mebada Khongjee ist die Königin des Dschungels. Jedenfalls an diesem Nachmittag, dem letzten, an dem das Waschen und Baden im Fluss noch erlaubt ist. Mit einer Plastiktüte mit ihren besten Kleidern ist sie die 137 vermoosten Stufen zum Wasser hinabgegangen. Der Fluss, der nur Fluss von Mawlynnong heißt, und dessen Wasser sich durch viele Verzweigungen bis zum Ganges zurückverfolgen lässt, ist jetzt, im Spätherbst, fast ausgetrocknet.

Mebada hat sich einen Felsen gesucht, auf dem sie vor der Kamera posiert. Sie hat Kleid um Kleid aus der Tüte gezogen, made in China, aus grellem Polyesterstoff und mit Rüschen und Spitzen daran. Sie hat gebettelt: Nur noch ein Foto. Sie hat die dunklen Haare und den Kopf zurückgeworfen, so wie sie es bei den Frauen in den Bollywood-Filmen gesehen hat. Um ihre nackten Füße floss das Wasser und über ihrem Kopf bildeten die Bäume ein dichtes Dschungeldach.

 

Wie immer ist die 17-Jährige am Morgen um vier Uhr aufgestanden und hat einen Spaziergang durch das schlafende Dorf gemacht. Es ist die einzige Zeit des Tages, die sie für sich alleine hat. Die Luft ist so früh am Morgen noch kühl und immer geht Mebada bis zu der kleinen Lichtung, die die Männer des Dorfes in den Dschungel gerodet haben, damit die Jungen Fußball spielen können. Dann sitzt sie einen Augenblick dort in der Morgenstille und hängt Träumen nach, von denen sie weiß, sie werden nicht erfüllt.

Mawlynnong, Mebadas Heimat, ist ein kleines Dorf im indischen Bundesstaat Meghalaya. Nicht weit von hier verläuft die Grenze zu Bangladesch, im Norden liegt der indische Bundesstaat Assam. Meghalaya bedeutet: wo die Wolken wohnen, und die Region macht ihrem Namen Ehre. Nirgendwo in Indien regnet es mehr als hier und die Wolken hängen stets so tief, dass man in sie eingehüllt ist wie in ein nasses Tuch.

In den East- und West-Khasi-Hills, Vorläufern des Himalaya-Gebirges, leben die Khasi, ein matrilineares Volk, dessen Erbfolge von der Mutter auf die Töchter übergeht. Rund 1,1 Millionen Angehörige hat diese Volksgruppe, bestehend aus Hunderten von Clans. Die meisten von ihnen leben in Meghalaya, einige Zehntausend in Assam oder Bangladesch.

Die über die Hügel verstreuten Dörfer sind erst seit einigen Jahren über feste Straßen zu erreichen. Mawlynnong liegt gut drei Stunden von Meghalayas Hauptstadt Shillong entfernt, tief im dichten Dschungel und ist von von kleinen Flüsschen umgeben. Rund 550 Menschen, verteilt auf 95 Häuser, leben dort, bis vor einigen Jahren noch verborgen vor dem Rest der Welt.

„Ich bin eben die Khaddu“, damit beendet Mebada jedes Gespräch über die Träume, denen sie auf ihren einsamen Morgenspaziergängen nachhängt. Mebada würde gerne Englisch studieren und Lehrerin werden, noch lieber würde sie einen Ausländer heiraten und nach Europa oder Amerika gehen. Nur: Sie ist eben die Khaddu.

Khaddu wird bei den Khasi immer die jüngste Tochter einer Familie. Der Titel verleiht der Trägerin das Recht, nach dem Tod der Eltern das Oberhaupt der Familie zu werden. Mebada wird das Haus erben, den Acker, den kargen Besitz aus Töpfen und Schränken, Blechlöffeln und Schüsseln, Matratzen und Kochlöffeln, aus ausgetretenen Schuhen und dünn gewaschener Kleidung. An ihr wird es sein, den Clan zu erhalten, im Geist der Ahnen und der ersten Urmutter der Khasi, aus deren Leib alles Leben kam.

Mebada würde gern Englisch studieren und Lehrerin weden. Aber als “Khaddu” hat sie andere Aufgaben.

Doch Khaddu zu sein, ist auch eine Verpflichtung. Mebada ist für ihre Eltern bis zu deren Tod verantwortlich. Es wird von ihr erwartet, im Elternhaus wohnen zu bleiben, sich um die Mutter, den Vater, die Brüder zu kümmern. Kochen, einkaufen, Wäsche im Fluss waschen, Kranke pflegen, putzen. Für Träume und Freiheit bleibt da kein Raum, jedenfalls nicht in Mawlynnong, wo alles noch immer so gemacht wird wie vor Jahrhunderten.

Durch ihre matrilineare Erbfolge, unterscheiden sich die Khasi deutlich von den anderen Volksgruppen Indiens. Bei den Khasi sind Töchter mehr wert als Söhne. Sie werden weder ausgesetzt, noch sexuell missbraucht, noch vergewaltigt. Jene Nachrichten, die aus anderen Bundesstaaten Indiens auch bis Mawlynnong dringen, stoßen dort auf großes Unverständnis. Frauen nicht zu achten, heißt für die Khasi, der Gesellschaft Schaden zuzufügen. Hat eine Familie nur Söhne, gilt sie als unglücklich, weil nur die Tochter die Kontinuität eines Clans fortsetzen kann.

Es ist 4.30 Uhr, als Mebada Feuer macht. Den Reis aufsetzt, das Daal aus Linsen kocht, aus Gemüseresten kleine Frikadellen backt. Die wird der Vater mit aufs Feld nehmen, die Brüder und die Mutter am Mittag essen, wenn Mebada noch in der Schule ist.

Die meisten Khasi sind von ihrer Naturreligion zum Christentum konvertiert – und essen gelegentlich Rindfleisch. Aus den Hufen wird Suppe gekocht.

Die Herdstelle ist das Zentrum des Hauses, besonders an kalten Tagen. Die Häuser der Khasi sind auf niedrigen Stelzen gebaut gegen Überschwemmungen, die Wände sind aus Bambus und Lehm, zur Monsunzeit dringt die Feuchtigkeit ein, im Winter die Kälte.

Mebadas Bewegungen sind schnell, routiniert. Der Tee darf nicht zu spät fertig sein, sonst wird der Vater schimpfen, die Mutter aus ihrem Bett zetern, in dem sie seit einigen Wochen mit einer Grippe liegt. Der Vater, Morkan, ist mit seinen 55 Jahren noch kräftig, aber die Mutter, Merona, neun Jahre jünger als er, ist schon fragil, mit einem Gesicht wie ein Vogel.

Die älteste Tochter der Familie Khongjee heißt Eva. Sie ist 26 Jahre und hat schon zwei eigene Kinder, Jasmin, 4, und Ida, 2. Nach Eva kommt Mebada und danach noch die beiden Söhne: Damutlang, der selten spricht, und am liebsten den ganzen Tag an der Herdstelle sitzt. Im Westen würde er als Autist gelten, aber bei den Khasi glauben sie, er lebe in einer anderen spirituellen Welt. Der Jüngste ist Datiplang, ein aufgeweckter 12-Jähriger, der den Familienclown spielt.

 

Vor drei Jahren zog auch Provenus zur Familie, Evas Lebenspartner. So ist es hier Sitte: Der Mann verlässt das Haus der Eltern, um im Haus der Schwiegereltern zu leben. Eva hat Provenus in Shillong kennengelernt, wo sie als Dienstmädchen bei einer reichen Khasi-Familie arbeitete. Er ist Handwerker von Beruf. Eva hat die Eltern nicht gefragt, ob ihnen diese Liebe passt, weil ein Khasi-Mädchen nicht fragen muss, sondern sich ihren Mann frei wählen darf. Und eng wird es ohnehin in den meisten Häusern, wenn die Schwiegersöhne einziehen und noch Kinder dazukommen.

Eva und Provenus haben nicht geheiratet, jedenfalls nicht offiziell. Die Khasi sind gläubige Christen seit der britischen Kolonialherrschaft. Doch trotz ihrer tiefen Religiosität reicht es bei ihnen, wenn Mann und Frau unter einem Dach leben, sie gelten dann als Ehepaar. Eine Hochzeit kostet Geld, doch die Menschen in den Dörfern sind arm. Sie leben von der Landwirtschaft und vom Fischen, sie können sich ernähren aber haben kaum Geld.

Niemals hat es bei den Khasi den Zwang gegeben, bei einem ungeliebten Mann bleiben zu müssen: Früher musste die Frau nur ein Tauschritual mit Münzen oder Muscheln vollführen, dann war sie vom Mann „geschieden“. Auch heute ist die Trennung eine leichte Sache, denn die matrilinearen Regeln der Khasi sind sogar in der Verfassung von Meghalaya verankert. Aller Besitz gehört den Frauen. Ein Mann kommt mit leeren Händen ins Haus der Frau, er muss auch mit leeren Händen wieder gehen. Auch auf die Kinder hat er keinen Anspruch. Kein Richter in Meghalaya würde einem Khasi-Vater je das Sorgerecht zusprechen, denn die Kinder gehören zum Clan der Mutter, der Vater aber nicht.

 

Provenus’ Familie wohnt in einem Dorf an der Grenze zu Assam. Er hat sie seit zwei Jahren nicht gesehen, weil eine Bustour hin und zurück rund fünfzehn Euro kostet. In Mawlynnong ist das ein Vermögen. Provenus, der sich mit Bauarbeiten durchschlägt und Eva, die bei Familien im Dorf putzen geht, verdienen zusammen fünfzig Euro in der Woche.

Fast zwei Jahre ging es damals gut, nachdem Eva mit Provenus wieder nach Hause gezogen war. Doch Provenus hatte nicht immer Arbeit, die Eltern beklagten sich, die Mutter sagte, was Mütter auf aller Welt zu ihren Töchtern sagen: Du hättest etwas Besseres finden können. Provenus hätte gern ein Haus für Eva gebaut. Aber ein Haus zu bauen, kostet 50 000 Rupien (etwas mehr als 700 Euro), bis sie die gespart haben, kann es noch Jahre dauern.

Provenus und die Schwiegereltern verstehen sich heute nicht mehr. Setzt sich Merona an die Herdstelle, verlässt er die Küche, kommt Morkan von der Arbeit, verlässt er das Haus. Es hat ohnehin nur vier Räume, viel zu wenig für neun Bewohner. Ein Raum gleich hinter der Eingangstür ist eine Art Wohnzimmer. Auf dem Boden liegen Reismatten, darauf schlafen die beiden Brüder und Mebada. Möbel gibt es nicht. Dann das Schlafzimmer der Eltern, darin ist ein Bett mit einer Strohmatratze. Im dritten Zimmer schläft Eva mit ihrer Familie. Mebada legt sich stets als Letzte hin, sie findet keine Ruhe, bis alle im Bett sind. Sie muss das Geschirr vom Abend waschen, die Wäsche falten, die Kleidung der Geschwister einsammeln und in die Schüssel legen, um sie am anderen Tag zum Fluss zu tragen. Meist ist es schon lange dunkel, wenn Mebada einschläft, das Dorf liegt in völliger Ruhe, nur die jüngsten Töchter sind in allen Häusern noch wach.

 

Wenn die Spannungen in der Familie zu groß werden, beginnt Eva als Erste zu streiten. Sie ist zäher, aufmüpfiger als die Schwester, die sich vor der Last der Verantwortung in Träume rettet. Mebada versucht, allen Streit wegzulächeln. Sie läuft dem Vater hinterher, eilt zur zeternden Mutter, während Eva, wie durch die eigenen Kinder geschützt, trotzig und laut wird. Die Brüder halten sich aus allem raus. Damilang sowieso, Datiplang spielt draußen auf seinem selbst gebauten Schlagzeug aus Plastikeimern und Blechstücken, die er an Ästen befestigt hat. Und Morkan nimmt sich eine Schachtel Zigaretten und geht zu seinen Freunden. Schweigend sitzen sie dann irgendwo im Dorf auf dem Boden und rauchen, solange, bis sie meinen, wieder genügend Luft für sich selber geholt zu haben.

Es ist eine seltsame Sache mit den Sitten der Khasi. Für beide Geschlechter bedeutet die matrilineare Tradition Stärke und Schwäche zugleich. Sie bewahrt die Frauen vor wirtschaftlicher Not und gibt ihnen in Beziehungen die Macht, sich eines ungeliebten oder gewalttätigen Mannes zu entledigen – aber nur theoretisch. Denn gleichberechtigt sind die Frauen deshalb noch lange nicht. In Mawlynnong und auch den anderen abgelegenen Dörfern der Hügel sind es noch immer die Männer, die das Geld verdienen, und es sind auch dort, wie in fast allen traditionellen Gesellschaften, die Frauen, die die Hauptlast der Familienarbeit tragen. Und sich zunehmend drüber beklagen.

In Shillong, der Hauptstadt von Meghalaya, hat die Khasi-Kultur schon tiefe Risse bekommen. Dort gibt es jüngste Töchter, die nicht für die Eltern sorgen, die fortgehen und sich Berufe suchen. Es gibt Frauen, die Jeans und Pumps tragen statt dem traditionellen Gewand, das an den Schultern mit einer Brosche befestigt wird. Es gibt Frauen, die rauchen und trinken und nur ein Kind bekommen wollen. Vor allem aber gibt es dort Frauen, die keine Khasi-Männer mehr heiraten wollen.

„Der Khasi-Mann ist wie ein Kind“, sagt Laloo Deepak und rührt mit düsterem Gesicht in seinem Morgentee. Es ist Sonntag in Mawlynnong, seit fünf Uhr läuten die Kirchenglocken alle zwei Stunden zur Messe. Aus der Kirche schallt Gesang herüber, auch die Familie Khongjee ist im Gottesdienst.

Deepak schiebt auf seinem Teller Reis und Linsen hin und her. „Unsere Kultur hat dazu geführt, dass der Mann keine Verantwortung übernimmt und infantil bleibt. Er ist ein Hedonist. Er will das Leben genießen, um jeden Preis. Wen wundert es, dass die Frauen keine Khasi-Männer mehr wollen?“ Deepak zeigt auf einen Schmetterling, der es sich auf einer Bougainvillea-Blüte bequem gemacht hat. „Die Männer meiner Generation, die sind wie die da. Flatterhaft.“

 

Deepak wohnt in Shillong, doch er baut in Mawlynnong ein Gästehaus. Seit das Dorf mit einer festen Straße angebunden wurde, kommen Touristen aus Assam und Delhi, machen Wanderungen im Dschungel und bestaunen die Kultur der Khasi. Der Tourismus hat Mawlynnong Geld gebracht und den Titel „Sauberstes Dorf Asiens“. Tatsächlich liegt kein Müll herum, alle Wege sind gefegt, die Abwasserrinnen sauber geschrubbt. Deepak ist mit der Hälfte der Menschen in Mawlynnong verwandt, er kennt die Männer, die mit vielen Frauen viele Kinder haben, weil sie ohnehin für keines der Kinder Verantwortung übernehmen müssen. Sie müssen auch keine Alimente zahlen. Er kennt die Kämpfe der Frauen, sich und die Kinder durchzubringen. Er kennt die Distanz, die in den Familien herrscht, weil die Frauen und die Kinder eine Einheit bilden und die Männer wie entfernte Planeten um sie kreisen.

Deepak gehört einer Gruppe von Männern an, die die matrilineare Erbfolge der Khasi abschaffen wollen. Sie verlangen, dass die Söhne so viel erben wie die Töchter. Die Männer wollen nicht mehr ins Haus der Schwiegereltern ziehen, vor allem aber wollen sie, dass die Kinder ihren Namen tragen und nicht mehr zum Clan der Mutter gehören. Sie sehen sich als Emanzipationsbewegung und Vorkämpfer für die Rechte der Männer. Sie behaupten, KhasiMänner würden früh sterben, aus Gram, weil sie sich ungeliebt und nutzlos fühlten oder wegen ihres ungesunden Lebens. Sie sagen, die matrilineare Struktur sorge für Uneinigkeit und Brüche in den Familien. Und sie sind Nationalisten. Aus ihren Argumenten spricht auch die Angst, dass die Khasi aussterben, weil die Khasi-Frauen lieber Männer heiraten, die nicht so kindlich sind.

4000 Mitglieder umfasst die Männerbewegung heute angeblich. Bislang sind sie an den Gerichten Meghalayas gescheitert, vor allem aber an der Frage, wann und warum die matrilineare Kultur entstand. Ist sie nur ihrer Zeit geschuldet oder ist sie der Kern allen Khasi-Seins? Sie sei entstanden, als die Männer Kriege führten und die Frauen daheim alles alleine regeln mussten, sagen die Emanzipationsmänner – daher könne sie jetzt wieder abgeschafft werden. Sie entspringe aus dem traditionellen Glauben, sagen die Gelehrten. Zwar hängen nur wenige Khasi der alten Religion an, doch dass die Frauen die Urmasse der Gesellschaft sind, dass sie Stabilität garantieren, aus dieser Erkenntnis, wurde eine Dreifaltigkeit: Mutter, Bruder und Vater sind die Träger der Familie, mit der Mutter als Oberhaupt, dem Bruder als Erzieher und Vorbild für die Kinder und dem Vater als Unterstützer des Bruders. So war es immer. Und so soll es auch bleiben, sagen die Traditionalisten.

Mebada weiß nicht, ob sie die Gesetze der Khasi ändern möchte. Es sei immer so gewesen, es habe wohl seinen Sinn, sagt sie, wenn man sie fragt. Dennoch würde sie gerne aus den Zwängen ausbrechen, hat Angst, der Last als Familienoberhaupt eines Tages nicht gewachsen zu sein.

Wenn Mebada aus der Schule nach Hause kommt, hat sie noch zwei Stunden Zeit, bis es dunkel wird. Zwei Stunden, um die Wäsche der Familie zu waschen. Und sich. Nun, wo der Hauptfluss gesperrt ist, müssen die Mädchen auf kleinere Flüsse ausweichen.

Die Flüsse um Mawlynnong sind mystische Orte. Im dunklen Schatten der Bäume gurgelt das Wasser durch Felsen, Kinder schwimmen in den ausgehöhlten Becken unter den Wasserfällen. Die Flüsse trennen das Dorf vom Dschungel, sie sind die Demarkationslinie zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Dahinter beginnt die dichte Wildnis, erstreckt sich über viele Kilometer und fällt dann ab in die Ebene von Bangladesch. Umgefallene Bäume liegen im Fluss, strecken ihre Wipfel rettungssuchend zum anderen Ufer. Aus dem Fluss kommt der Duft von Erde, mischt sich mit dem der Seifenlauge.

 

Abseits der waschenden Mädchen stehen Jungen mit Bambusrouten als Angeln. Nur scheu wagen sie es, den Kopf zu den Mädchen zu drehen, schnell schauen sie wieder fort. Die Mädchen rubbeln und spülen, rubbeln erneut, mindestens eine Stunde lang. Dann gleiten sie selber in das Wasser, in Unterwäsche, schnell und kichernd. Sie treiben auf dem Rücken, ihre Haare schwimmen ihnen um den Kopf wie ein dunkler Kranz. Zurück auf dem Felsen legen sie die Beine zur Seite und im blätterdurchbrochenen Abendlicht sehen sie aus wie Flussnymphen. Dann kämmen und flechten sie sich die Haare, ziehen die Kleidung wieder über die nasse Unterwäsche, schultern die Schüsseln mit der Wäsche, laufen nach Hause.

„Spute dich, Mebada“, sagt Eva, als die Schwester das Haus betritt. „Du bist spät.“ Eva hat schon Feuer gemacht und Tee gekocht, hat das Essen für ihren Mann und ihre Töchter aufgesetzt. Mebada muss für die Eltern und die Brüder kochen, sie läuft und eilt, nie verlässt das Lächeln ihr Gesicht. Nach dem Essen sitzen die Geschwister zusammen um die Herdstelle, Eva und Mebada kuscheln mit den Kindern, Damilang schweigt, Datiplang baut aus Holz und Blechresten ein Auto. Auch die Eltern kommen hinzu, Eva kocht noch einmal Tee und alle tauchen süßen Zwieback hinein. „Wenn ich nicht die Khaddu wäre“, hatte Mebada am Nachmittag gesagt, „dann wäre ich freier. Aber ich würde trotzdem immer bei meiner Familie bleiben wollen.“

zum Artikel:

http://www.nido.de

März 9, 2016

Albtraum statt Urlaub – Diese Rechte haben Sie bei mangelhaften Ferienwohnungen

Vom Urlaub erhoffen sich die meisten Erholung pur. Doch leider versprechen Ferienwohnungen im Internet häufig mehr, als sie in Realität bieten. Das können Sie tun, um sich gegen mangelhafte Ferienwohnungen zu wehren.

Das Mieten von privaten Ferienwohnungen wird auch unter Deutschen immer beliebter. Leider entsprechen diese nicht immer den Beschreibungen oder existieren gar überhaupt nicht. Paul Degott, Rechtsanwalt für Tourismusrecht, und Frank Otten, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Mietrecht, erklären, wie Sie sich gegen mangelhafte Ferienwohnungen wehren.

 

Fall 1 bis 3: Die gemietete Wohnung entspricht nicht der Anzeige, die Umgebung ist extrem laut oder ein unangenehmer Geruch hängt in der Wohnung

Der Fall: Sie sind endlich in Ihrem Feriendomizil angekommen, da dringt Ihnen ein penetranter Geruch entgegen. Außerdem sieht die Wohnung ganz anders aus, als Sie aufgrund der Bilder erwartet haben. Sie hoffen auf Entspannung, doch nebenan ist eine riesige Baustelle, die ab Frühmorgens Lärm verursacht.

Was tun? Das müssen Sie sich nicht gefallen lassen. Als erstes müssen Sie dem Vermieter eine Frist setzen, die Mängel zu beheben – selbst wenn das, wie etwa bei einer Baustelle, nicht realisierbar ist. Die Frist muss zwischen vier und 24 Stunden liegen.

 

Wenn die Mängel in der Zeit nicht behoben wurden, können Sie Ersatz beim Vermieter fordern. Die Alternative muss dem gleichen Standard entsprechen wie die eigentlich gebuchte Wohnung.

Falls Sie die Wohnung dennoch nutzen möchten, können Sie eine Preisminderung verlangen. Je nach Stärke der Mängel sind zehn bis 30 Prozent üblich. Genaue Auflistungen finden Sie in der Frankfurter Tabelle.

Alternativ können Sie wieder abreisen und den Reisepreis zurückfordern. Zusätzlich können Sie vom Vermieter Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit und Fahrtkosten verlangen.

Achtung! Vor Gericht liegt die Beweispflicht bei Ihnen. Daher raten die Experten, nur schriftlich oder unter Zeugen mit dem Vermieter zu kommunizieren. Außerdem müssen Sie sämtliche Mängel auf Fotos festhalten. Das können defekte Möbel, Böden oder der ungepflegte Garten. Auch der Lärm muss dokumentiert werden. Notieren Sie die genauen Zeiten, wann es laut war und woher der Krach kam. Umso detaillierter umso besser. Wie viele Leute haben auf der Baustelle gearbeitet und an was? Handelt es sich um einen Güter- oder Personenzug? Außerdem sollten Sie den Vermieter über jeden weiteren Ihrer Schritte in Kenntnis setzen.

 

Fall 4: Der Vermieter ist ständig vor Ort

Der Fall: Sie wollen sich erholen und Ihre Privatsphäre genießen, aber der Vermieter wohnt im gleichen Haus, ist ständig präsent und klopft bei Ihnen an.

Was tun? Hier macht es einen großen Unterschied, ob Sie eine komplette Wohnung oder nur einzelne Zimmer im Haus gemietet haben. In jedem Fall sollten Sie als erstes das Gespräch mit dem Vermieter suchen und ihn bitten, Ihre Privatsphäre zu berücksichtigen. Lässt er Sie nicht in Ruhe, können Sie Ihr Recht im Notfall sogar polizeilich durchsetzen. Das geht allerdings nur, wenn Sie die komplette Wohnung gemietet haben. Wenn der Vermieter ebenfalls in der Wohnung wohnt, haben Sie dafür hingegen keine rechtliche Grundlage. Dann kann der Vermieter außerhalb Ihres Zimmer machen, was er will.

 

Fall 5: Die gebuchte Wohnung existiert nicht

Der Fall: Sie haben online eine ideale Ferienwohnung gefunden und auch schon bezahlt. Doch als Sie an der angegebenen Adresse ankommen, existiert die gebuchte Wohnung nicht.

Was tun? Hier haben Sie es mit Betrug zu tun und sollten unbedingt Strafanzeige gegen den Vermieter stellen. Dieser ist Ihnen gegenüber Schadenersatzpflichtig. In der Praxis kann es sich jedoch schwierig gestalten, das bezahlte Geld zurück zu bekommen, da die Betrüger meist falsche Personalien angeben und zu dem Zeitpunkt bereits über alle Berge sind.

Tipp: Unsere Experten raten, nur kleine Beträge im Voraus zu zahlen und sich vorab eine Kopie des Personalausweises des Vermieters schicken zu lassen.

 

Fall 6: Der Vermieter erscheint nicht zur Schlüsselübergabe

Der Fall: Nach langer Fahrt sind Sie bei der Ferienwohnung angekommen. Doch die Minuten vergehen und niemand erscheint zur Schlüsselübergabe.

Was tun? Sie sollten den Vermieter sofort anrufen. Verspätet er sich drastisch und Sie müssen sich in der Zwischenzeit eine andere Unterkunft suchen, muss der Vermieter dafür aufkommen. Allerdings muss das Hotel einen mit der gemieteten Wohnung vergleichbaren Standard haben.

Zudem müssen Sie nicht den volle Reisepreis bezahlen, sondern können für die verlorene Zeit eine Mietminderung verlangen. Wenn Sie überhaupt niemanden erreichen, treten die Rechte von Fall fünf ein.

Achtung! Auch in diesem Fall liegt die Beweispflicht bei Ihnen. Sie müssen durch Einzelverbindungsnachweise oder Zeugen beweisen können, dass Sie den Vermieter mindestens vier Mal versucht haben zu kontaktieren.

 

Fall 7: Sie kommen in eine verschmutzte Wohnung

Der Fall: Der Urlaub kann beginnen, aber als Sie die Wohnung betreten, ist diese stark verschmutzt. Eine Reinigung hat nicht stattgefunden.

Was tun? Als erstes sollten Sie den Vermieter auffordern, die Wohnung in den nächsten Stunden zu reinigen. Kommt er dem nicht nach, können Sie eine Ersatzwohnung verlangen.

Falls Sie sich dazu entscheiden, selber zu putzen, muss die vertraglich festgelegte Endreinigung von Ihnen nicht mehr durchgeführt werden. Außerdem können Sie den Mietpreis mindern.

 

Allgemeine Tipps

Unsere Experten raten, sich immer genügend Kontaktmöglichkeiten des Vermieters geben zu lassen, damit Sie ihn im Falle des Falles erreichen. Wenn Mängel vorhanden sind, müssen diese detailliert und fotografisch festgehalten werden. Die Beweispflicht liegt bei Ihnen. Auch die Kontaktversuche zum Vermieter sollten Sie dokumentieren. Generell sollten Sie keine großen Geldbeträge vorab überweisen, sondern erst vor Ort im Austausch gegen die Schlüssel und sich die Zahlung quittieren lassen.

 

Erstmalig veröffentlicht auf:

www.focus.de/immobilien/mieten/rechte_und_pflichten/

März 5, 2016

Blind Booking – Hotelbuchung mal anders

Immer mehr Menschen suchen und buchen Hotels online. Einen besonderen Kick bietet hierbei das Blind Booking. Dies ist eine spezielle Buchungsart, mit der man Hotelzimmer auf der ganzen Welt günstig reservieren kann. Ursprünglich kommt die Idee aus den USA, wo die Blind Booking Methode 2001 erfolgreich etabliert wurde. Pioniere waren dabei u. a. Expedia, Priceline, Hotwire und GetGoing. Von Deutschland aus bucht man ein Überraschungshotel über Surprice Hotels.

Wie funktioniert Blind Booking?

Bei einer klassischen Buchung entscheidet der Kunde welches Hotel reserviert werden soll. Beim Blind Booking gibt der Reisende das Reiseziel, die Anzahl der Personen und den Reservierungszeitraum an. Anhand dieser Daten wird etwa die Webseite von Surprice Hotels nach geeigneten Unterkünften durchsucht. Verschiedene in Frage kommende Hotels werden dem Reisenden inklusive der regulären und ermäßigten Zimmerpreise angezeigt. Doch um welches Hotel es sich handelt, weiß der Kunde zunächst nicht. Es bleibt spannend bis die Buchung getätigt ist. Erst dann wird das „Geheimnis“ gelüftet und der Reisende erfährt den Namen und die Adresse des Hotels. Durch diese anonyme Reservierungsvariante werden Hotels nicht öffentlich als „Schnäppchen-Hotels“ mit günstigen Zimmerpreisen präsentiert und können so ihr Image schützen. Dem Blind Booker ist dies egal, freut er sich doch über eine 1A-Unterkunft zu einem attraktiven Preis.

Welche Vorteile bietet Blind Booking?

Mit dem Blind Booking System kann man richtige Schnäppchen ergattern und viel Geld sparen: Der Nachlass auf den regulär Preis bis zu 60 Prozent betragen kann. Buchen kann man jedoch nur jene Hotelzimmer, die nicht zum üblichen Preis vermittelt wurden. Und ein paar Tipps erhält der Gast schon vorab, etwa die Hotelkategorie und Informationen über in der Nähe liegende Attraktionen und Sehenswürdigkeiten. Auch über die Gästebewertungen kann man sich ein Bild über das Hotel machen.

Fazit: Blind Booking ist eine spannende Art Überraschungshotels zu erschwinglichen Preisen zu ergattern. Und auch der Hotelbetreiber profitiert davon: anstelle von leerstehenden Zimmern kann er die freien Kapazitäten zumindest kostendeckend belegen.

 

Website:

www.reisefernsehen.com/reise-news/reise-news-uebernachten-mal-anders

Februar 1, 2016

Alternative Möglichkeiten für einen Urlaub in Italien

Mit http://www.charminly.com/de/ können Sie Ihren Urlaub in Italien organisieren, indem Sie Ihren Aufenthalt in charmanten Unterkünften buchen können. Diese Lösung ist am besten geeignet für diejenigen die Wert auf eine warme, freundliche und angenehme Umgebung legen, wo die Aufmerksamkeit dem Gast gegenüber im Mittelpunkt steht.

 

Diese Unterkünfte haben eine begrenzte Anzahl an Räumen, um alle Angelegenheiten bezüglich Urlaub, Verpflegung, Möbel, Service und Unterhaltung zu regeln. Auf charminly  finden Sie charmante Hotels mit ausgefallenen Räumen, Badezimmern die mit jedem erdenklichen Komfort ausgestattet sind, großen Sälen und riesigen Swimming Pools.

 

In den charmanten Agritourismus-Unterkünften werden Sie umgeben sein von Natur, Wäldern, Weinguten, Olivenbäumen und vielen Tieren, ohne dabei auf ein geräumiges, helles und gut ausgestattetes Zimmer verzichten zu müssen, mit schönen Bauernhöfen und Saunas.

 

In den charmanten B&B können Sie Menschlichkeit wiederentdecken, in kleinen Unterkünften die alles haben um die Bedürfnisse der Gäste zu erfüllen und um Sie in schönen Räumen mit einem großartigen Frühstück willkommen zu heißen.

 

Auf charminly werden die Unterkünfte sorgfältig ausgewählt, nur die Besten werden dort angezeigt. Viele dieser Gebäude wurden renoviert um den Umwelteinfluss zu minimieren und um die traditionellen Bauten zu erhalten. Zum Beispiel die verbreiteten Hotels haben mehrere Gebäude die nicht weit voneinander entfernt sind, meistens in kleinen Stadteilen, damit das ganze Dorf zu einem Hotel wird, mit den Straßen, Lokalen, Festivals und Seminaren.

 

In den Landhäusern werden Sie die ländliche Tradition merken, mit den typischen Speisen, durch Spaziergänge in den Obstplantagen, durch das Essen von hausgemachten Marmeladen, durch das Schlafen in Räumen die weise mit zwei Jahrhunderte alten antiken Möbeln eingerichtet sind.

 

In den Relais werden Sie sich entspannen können, dank der verfügbaren Wellness-Einrichtungen, Whirlpools, Saunas und Swimming Pools und durch Yoga Lektionen die Körper und Seele heilen.

 

Mit charminly werden Sie nicht die allgemeinen Hotels finden, weil es nicht zwei gleich charmante Hotels gibt. Jedes ist das jeweils persönliche Projekt des Besitzers, der in einem alten Gebäude wie einer Mühle, einer Villa oder einem Landhaus seinen Lebenstraum sah.

 

Sie werden Menschen treffen, die das Weingut von den Großeltern geerbt haben und dieses in eine moderne Struktur umgewandelt haben und dabei die Familientradition beibehalten haben. Oder Sie treffen vielleicht auf jemanden der seinen Job und seine Stadt für ein Leben am Strand, im Wald oder in einem kleinen Dorf verlassen hat, wo er sein neues Zuhause gefunden hat.

 

Auf charminly haben Sie die Möglichkeit Ihren idealen Urlaub in italienischen Regionen auszuwählen. Zusammen mit den Unterkünften erhalten Sie auch eine Übersicht über die Besten Orte im Umfeld, die historischen Sehenswürdigkeiten, die Parks und die Naturwunder wie Seen, Berge und schöne Küsten. Sie können die saisonalen Festivals und Events einer jeden Region erkunden. Sie werden außerdem die typischen Speisen und die geplanten kulturellen Aktivitäten der Gegend entdecken.

Januar 25, 2016

Mayotte: Wenn dich ein Maki nach der Uhrzeit fragt

Der alleräußerste Rand Europas: Die Mahorais sind echte Franzosen, auch wenn sie vor Madagaskar leben.

Sie sprechen über Windrichtung und Wellengang und spekulieren darüber, wie der Tag verlaufen wird unter diesem tiefblauen, wolkenlosen Himmel. Dann graben die schwarzen, in bunte Tücher gehüllten Frauen ihre Füße in den feinen Sand, starren schwatzend aufs Meer und reiben dabei ihre Gesichter mit einer hellen Paste ein. Attoumani schaut mit lüsternem Blick in die Runde: „Für uns Männer ist die Mzindzano, die Schönheitsmaske aus Sandelholzgemisch, aufregender als ein knallroter Lippenstift. Sie schützt vor der Sonne und macht die Haut ganz zart. Je schöner eine Frau sich zurechtmacht, desto höher ist die gesellschaftliche Stellung ihres Mannes. Tut sie das nicht, schadet das dem Ansehen der Familie.“

Was für Fremde wie eine Theaterinszenierung aussieht, ist für Attoumani als Mahorais, also hier geborenen Inselbewohner, ein vertrauter Anblick: Frauen lehnen an meterbreiten, knorrigen Baobabstämmen, die aussehen wie erstarrtes Urgetier. Baobabs am Strand sind weltweit eine Seltenheit, sie wachsen meist in der Savanne oder in Trockenwäldern, hier stehen sie Schulter an Schulter mit Königspalmen, Bambusstauden und Takamaka, afrikanischen Tulpenbäumen. Selbst Botaniker können sich dieses seltsame Miteinander nicht erklären. Attoumani zieht die schwere, feuchte Luft tief durch die Nase, schaut noch immer zu den Frauen hinüber und beginnt zu rechnen: „Ich könnte mit meinem Einkommen und meiner Stellung zehn Frauen heiraten“, sagt der Vierundvierzigjährige. „Mein Vater hatte drei Frauen, mehr konnte er sich nicht leisten.“ Die Polygamie, seit Generationen auf der Komoreninsel Mayotte Alltag, kommt für ihn jedoch nicht in Frage. Zwar ist sie mittlerweile offiziell verboten, denn Mayotte ist seit 2011 das 101. Département Frankreichs und damit Mitglied der Europäischen Union. „Aber wie das so ist mit den Verboten, besteht der Reiz darin, sie zu umgehen. Und uralte Traditionen lassen sich nicht so einfach abschaffen. Ich jedoch bevorzuge die einfache Ehe und habe vier Kinder von einer Frau“, sagt Attoumani, was den gutaussehenden, durchtrainierten Mann sichtbar stolz macht.

Er lebt nicht nur monogam, er ist auch ehrgeizig und bekleidet eine Führungsposition in der Inselregierung, in der selten Mahorais, sondern meistens Metros, also Festlandfranzosen, angestellt sind. Doch um nicht nur im Büro zu sitzen, jobbt er zum Ausgleich als Wanderführer, klettert mit Touristen über Berge und streift durch die Tropenwälder im Landesinneren. Eine seiner Lieblingsstrecken zieht sich durch den Forêt Domaniale. Gut ausgebaute Pfade, nach europäischem Standard befestigt und ausgeschildert, schlängeln sich zwischen Riesenfarnen und Drachenbäumen, Nelkenbüschen, Kakaopflanzen, Palmen und Vanilleorchideen hindurch. Man kennt ihn und grüßt ihn mit dem traditionellen „Caribou“. Mal plaudert Attoumani mit einem Bauern, der auf dem Kopf einen Korb voller Papayafrüchte balanciert, mal tätschelt er eine Kuh, die im Schatten döst. Ab und zu begegnen ihm Waldarbeiter und nur gelegentlich Touristen.

 

Zur Internetseite:

http://www.faz.net/aktuell/

Januar 23, 2016

Kuala Lumpur – Paris: Malaysia Airlines verbietet Mitnahme von Gepäck wegen Gegenwind

Eigentlich ist Gegenwind ein Problem, das der Pilot im Cockpit zu lösen hat. Doch nun betrifft der Luftwiderstand konkret auch die Passagiere von Malaysia Airlines. Sie dürfen auf bestimmten Routen zwischen Asien Europa derzeit kein Gepäck einchecken, weil besonders starke Winde pusten. In einer Erklärung auf der Website gibt das Unternehmen an, die Regelung gelte aktuell für den 5. und 6. Januar und für Flüge von Kuala Lumpur nach Amsterdam und Paris.

Zuvor war auch die Verbindung nach London betroffen, die Begrenzung bei den entsprechenden A380-Flügen ist hier aber bereits wieder aufgehoben worden.

Durch die „für die Saison ungewöhnlichen“ Windverhältnisse verlängerten sich die Flugrouten und mehr Treibstoff werde gebraucht, heißt es auf der Website der Fluggesellschaft. Aus „Sicherheitsgründen“ müsse die Airline daher das Gepäck limitieren.

Erlaubt seien in der Economy-Klasse lediglich sieben Kilogramm Handgepäck, in der Business und Ersten Klasse 14 Kilogramm. Koffer und Reisetaschen dürften nicht mehr im Laderaum der Maschinen mitfliegen. Das Gepäck könnte zwar eingecheckt werden, würde aber mit anderen Flugzeugen transportiert und käme deshalb später am Zielort an. Wie viele Passagiere betroffen sind, steht laut der „Malay Mail Online“ derzeit nicht fest.

Malaysia Airlines fliegt aus der Hauptstadt Kuala Lumpur nicht nur die europäischen Metropolen Paris, London und Amsterdam an, sondern auch Brüssel und Rom, nicht aber Frankfurt.

Die staatliche Fluggesellschaft von Malaysia hat in den vergangenen Jahren zwei schlimme Katastrophen erlebt. Flug MH17 war im Juli 2014 über der Ukraine abgeschossen worden. 298 Menschen an Bord kamen ums Leben. Alle Airlines änderten daraufhin die Flugrouten, um den Luftraum über der Ukraine zu meiden. Vier Monate vorher war Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord auf einem Flug von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwunden. Nach dem Wrack wird bis heute gesucht.

Link zum Artikel:

www.spiegel.de/reise/

Januar 12, 2016

Visum und Einreise nach China: Neue Regeln für Visa in China seit 01. September 2013 rechtsgültig

Geschäftsreisen und Flüge nach China buchen: Angekündigte Neuregelung für Visum in China gilt seit Sonntag 01. September 2013. Neue Regeln gelten besonders für die Expansion der Visa-Kategorien. Einzelheiten im folgenden Bericht. Am Sonntag ist die angekündigte neue Visa-Regelung für China in Kraft getreten.

Neu ist vor allem eine Ausweitung der Visa-Kategorien. Die neue Struktur umfasst unterschiedliche Visa für kommerzielle Besuche, nicht-kommerzielle Besuche, touristische Aufenthalte, lange Aufenthalte, hochrangige Personen, Besucher nicht-chinesischer Staatsbürger, Besucher chinesischer Staatsbürger und für Flugzeug-Crews. Dazu kommen Arbeitsvisa, Studentenvisa, Journalistenvisa und Transitvisa.

Ebenfalls seit 1. September gilt ein neuer Visum-Antrag, der nach einer Übergangsfrist ausschließlich verwendet werden muss. Außerdem können sich Reisende künftig in Hongkong keine Express-Visa für China mehr ausstellen lassen. Das “Chinese Visa Application Service Center” hat die neuen Kategorien auf seiner deutschsprachigen Website aufgeschlüsselt.

Quelle: Travel One.

Original-Quelle:

www.imagetours.de/wpblog/2013/09/03/visum-und-einreise-nach-china-neue-regeln-fur-visa-in-china-seit-01-september-2013-rechtsgultig

Dezember 28, 2015

Ideal für Menschen, die das Echte und Gefühlvolle suchen

 

Charminly ist eine Internetseite, die eine Welt voller Charme vertritt. Die Unterkünfte sind sorgfältig ausgewählt und bieten viel mehr als nur einen Urlaub, weil Charminly eine Lebens-erfahrung bedeutet.

 

Bei der Wahl zwischen Relais, Landhaus und B & B finden Sie einzigartige Plätze von eigenem Stil, Charakter und Geschichte. Wenn Sie Ferien zum Entspannen und zum Abschalten vom Alltagsstress brauchen, dann sind das die Orte, wo Sie den Schalter umlegen können. Die Unterkünfte sind bewusst klein gehalten, damit wir sichergehen, dass Ihnen der angemessene Service zuteil wird. Durch die warme und einladende Atmosphäre fühlen Sie sich wie zu Hause, mit allem erdenklichen Komfort, den Sie brauchen, den Sie aber oft durch die Verpflichtungen des Alltagbetriebs aus den Augen verlieren.

 

Die Begegnung mit den Besitzern dieser Unterkünfte gleicht einem Besuch bei alten Freunden. Ihr Eifer und ihre Leidenschaft bei der Renovierung und beim Wiederaufbau alter Bauernhäuser, Farmen und Adelsvillen lässt sie voll Stolz und Glück ihre Geschichte erzählen, die sie besonders gern mit Ihnen teilen. Der Funke der Gastlichkeit springt über und führt Sie an einen anderen Ort ohne „Fremde“, wo die Begegnung mit Menschen eine schöne zwanglose Erfahrung mit sich bringt.

 

Charminly bedeutet mehr als bloße Gastlichkeit, weil es auf das Teilen von Werten und Geschichten setzt, auf Begegnungen, wo alle willkommen sind. Charminly ist eine Welt, deren Luxus in der Gemütlichkeit und Schönheit der Gebäude besteht, in der Ruhe beim Speisen, im entspannten Spaziergang, im Gespräch mit anderen Gästen oder Ortsansässigen und dem Besuch unbekannter Orte, die bald vertraut wirken. Zwischen Kunst und Kultur, Geschichte und Tradition, Essen und Natur gibt es viele Wege, jedesmal einen Ort zu entdecken oder auch wiederzuentdecken und mit anderen Augen zu sehen.

 

Charminly empfiehlt Ihnen Unterkünfte, die sich in die Umgebung einfügen und sie schmücken. Dahinter steht die Überzeugung, dass ein starkes Lokalkolorit am besten das wirkliche Leben verkörpert. Besuchen Sie Jahrmärkte und Feste, historische und kulturelle Veranstaltungen, Märkte oder Museen und kehren Sie zurück zum Entspannen oder Speisen, als ob Sie nach Hause kommen. Sie haben am Leben im Ort Anteil, ohne sich als Fremder zu fühlen. Für Charminly bedeutet ein Besuch das Kennenlernen.

 

Aus all diesen Gründen bietet Charminly nur Unterkünfte an, die die Betreiber der Internet-seite persönlich aufgesucht haben und deren Besitzer sie getroffen haben. Charminly unterscheidet sich von anderen Hotelportalen, weil die ausgewählten Häuser einer Lebensauf-fassung von Respekt und Achtung vor Land und Leuten entsprechen. Bei diesen Unterkünften dominiert die Harmonie, angefangen beim Bau des Hauses über die Speisekarte bis zur Er-kundung der Umgebung.

 

Charminly hilft Ihnen bei der Auswahl von Hotels und B&B-Unterkünften mit Charme. Wir nehmen Sie mit in einer Welt der Freundschaft und des Teilens. Wenn Sie einen Urlaub bei Charminly buchen ist es so, als holten Sie sich Rat bei einem Freund ein, der am selben Ort schon Urlaub gemacht hat!

Dezember 20, 2015

Bergkarabach: Reise in ein Land, das es offiziell gar nicht gibt

Ein rostiger Wolga rast mit Affenzahn am Checkpoint vorbei. Der Grenzposten schiebt verschlafen seinen Oberkörper aus dem Fenster seines Büros, schaut ihm nach und winkt dann ab – was soll’s, vermutlich war das ein Russe. Die und natürlich Armenier haben freien Zugang nach Bergkarabach, diesem kleinen, selbsternannten Land mit gut 130.000 Einwohnern, das von keinem Staat der Welt anerkannt wird. Alle anderen brauchen ein Visum.

Kurz hinter Goris, der Stadt mit den roten Dächern im äußersten Südosten Armeniens, ragt dieses Bergkarabach, ein mächtiges Gebirgsmassiv, plötzlich aus der weitläufigen Hochebene in den Himmel. Nichts deutet darauf hin, dass um diesen Landstrich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erbittert gekämpft wurde. Gerade hier, am Latschin-Korridor, der in einem kleinen Checkpoint am Aghavno-Fluss mündet. Es ist der einzige offizielle Grenzübergang in die Republik Arzach, wie sich Bergkarabach in Anlehnung an das vorchristliche Armenierreich offiziell nennt.

Das Mobiltelefon zeigt, wie verfahren die Situation ist: „Willkommen in Aserbaidschan“, steht auf dem Display. Völkerrechtlich gehört Bergkarabach tatsächlich zu Aserbaidschan. Doch die Aseris haben diese ehemalige Exklave, in der seit Urzeiten fast ausschließlich Armenier lebten, in einem kurzen, blutigen Krieg vor über zwei Jahrzehnten verloren.

1992 haben armenische Truppen diese von christlichen Armeniern besiedelte Gegend „heimgeholt“ und das aserbaidschanische Gebiet zwischen Armenien und Bergkarabach gleich mitbesetzt. Im Gegenzug haben die Aseris kleinere Teile der Exklave erobert, Hunderttausende wurden auf beiden Seiten vertrieben, 30.000 Menschen starben. Seit 1994 herrscht ein Waffenstillstand.

Aserbaidschan fordert die besetzten Gebiete zurück, was die Armenier strikt ablehnen. Bergkarabach ist zum identitätsstiftenden Symbol der Armenier geworden – eines Volkes, das heute über die Welt verstreut lebt. Und das Probleme hat zu definieren, wo die Heimat anfängt. Und wo sie endet. Denn einst besiedelten Armenier ein Gebiet, das vom heute türkischen Adana am Mittelmeer bis ins persische Täbris reichte – einschließlich Bergkarabach.

Nur ein paar Tausend Besucher pro Jahr

Für die Welt ist Bergkarabach eine Krisengegend, erwachsen aus dem Chaos der untergegangenen Sowjetunion, ein Landstrich, den man meidet. Nur ein paar Tausend Besucher pro Jahr zieht es hierher, überwiegend Auslandsarmenier und „Länder-Sammler“, Menschen, die es für einen Stempel im Reisepass an die ungewöhnlichsten Orte auf unserem Planeten zieht.

Für die 64-jährige Inna Melkumova ist Bergkarabach ein Sehnsuchtsort, den sie nur aus den Erzählungen ihrer verstorbenen Eltern kennt. Diese wurden in diesem Bergmassiv geboren. In der Familiengeschichte der assyrisch-stämmigen Inna spiegelt sich die ganze Tragik dieser Region wieder: Ihre Vorfahren lebten ursprünglich im Osmanischen Reich, flohen dann aber vor dem Völkermord der Türken an Armeniern und Assyrern 1915 nach Russland.

Im armenisch besiedelten Bergkarabach fanden sie eine neue Heimat, auf einer christlichen Insel inmitten eines islamischen Ozeans. Doch die Sowjetzeiten brachten neue Verwerfungen mit sich. In der Stalin-Ära verschlug es die Familie ins aserbaidschanische Göygöl, wo Inna geboren wurde. Heute lebt sie als Rentnerin in Armeniens Hauptstadt Eriwan, ihre Familie hat es indes in alle Welt gezogen – nach Russland, Amerika, Deutschland.

Jetzt stehen Inna Melkumova und ihre 77-jährige Schwester Natalia am Grenzübergang. Zusammen mit ihrem aus Deutschland angereisten Sohn und weiteren Familienmitgliedern wollen die beiden Schwestern im hohen Alter erstmals dieses mythische Bergkarabach besuchen.

Ein Land, das für Inna bislang so unerreichbar weit weg schien wie der Ararat, der schneebedeckte heilige Berg der Armenier, der in der mit Armenien verfeindeten Türkei liegt. Und den sie vom Fenster ihrer Eriwaner Wohnung aus sehen kann.

Die Spuren des Krieges sind gegenwärtig

Nach Passieren der Grenze geht die Fahrt zügig weiter über eine gut ausgebaute Gebirgsstraße in Richtung Stepanakert, Hauptstadt von Bergkarabach, die man in zwei Stunden erreicht. Aber nur, falls man nicht hinter einer der zahlreichen, über die Serpentinen schleichenden Militärkolonnen kleben bleibt. 20.000 armenische Soldaten sichern den Status quo Bergkarabachs, eines Gebiets, doppelt so groß wie das Saarland.

Auch 20 Jahre nach Ende des Krieges sind dessen Spuren gegenwärtig – zum Beispiel in den zerstörten und verlassenen Häusern der Stadt Susa im Herzen Karabachs. In Susa hatten die Aseris damals ihre letzte Bastion, von hier aus schossen sie auf das im Tal gelegene Stepanakert. Doch die Armenier eroberten Susa, die Aseris wurden vertrieben. Gerade wurde die im Krieg zerstörte Erlöserkirche restauriert, ein den Armeniern heiliger Ort, an dem viel geheiratet wird.

14 Kilometer entfernt schlummert im Talkessel Stepanakert. Inna und Natalia, die Schwestern aus Eriwan, stehen am Fuß des Armenier-Denkmals, ein aus landestypischem Tuffstein konstruierter Doppelkopf, von den Bewohnern „mamig jew babig“ genannt, „Oma und Opa“.

Vor 50 Jahren wurde es erbaut, nach 1994 wurde es zum Symbol der Unabhängigkeit. Und mangels anderer Sehenswürdigkeiten in Stepanakert ein Anlaufpunkt für alle Gäste. Nur wenige Ausländer kommen vorbei, heute immerhin drei junge Esten, die sich am Denkmal fotografieren lassen und mit dem Fahrrad bis nach Georgien weiterradeln wollen.

Der 57-jährige Sergej Avanesyan steht mit seinem Souvenir-Stand auf dem leeren Parkplatz vor dem Denkmal. Er hat die landestypischen Kreuzsteine in Miniaturformat im Angebot, Chatschkar genannt, außerdem armenische Kreuze, Bergkarabach-Flaggen und geschnitzte Versionen von „mamig jew babig“. Doch niemand interessiert sich für seine Souvenirs.

„Ich habe schon Chinesen, Amerikaner und Australier bedient“, sagt er stolz, aber im Moment herrsche Flaute. „Das liegt am Ukraine-Krieg. Die Menschen denken, die ganze ehemalige Sowjetunion sei ein einziges Tollhaus. Doch schauen sie sich um, hier ist es friedlich wie im Paradies.“ Das sieht das Auswärtige Amt in Berlin anders: Es rät von Reisen nach Bergkarabach ab, weil es vor allem an der Waffenstillstandslinie immer mal zu kleineren Scharmützeln kommt.

Wer ist der berühmteste aller Armenier?

Davon spürt man freilich in Stepanakert nichts. Die Stadt wirkt verschlafen, ist weniger chaotisch und viel sauberer als Eriwan. Auf dem quirligen Marktplatz ist Lavash im Angebot, das armenische Fladenbrot, in einer nur hier erhältlichen Variante mit Bergkräutern durchsetzt. Und Montapur, Teigtaschen mit Hackfleisch gefüllt.

Die Schwestern aus Eriwan schlendern etwas orientierungslos über die „Straße der Befreier“, die Hauptgeschäftsstraße, auf der vergeblichen Suche nach einem Kaffeehaus. Stattdessen landen sie in einem kleinen Gemüseladen, wo die Verkäuferin über den Besuch aus Eriwan und Deutschland staunt und ihr Geschäft kurzerhand zum Café umfunktioniert.

Flugs setzt sie einen Kaffee auf dem kleinen Gasherd im Nebenraum auf und zaubert ein paar Stückchen zuckersüßes Baklava-Gebäck hervor. Man sitzt auf Obstkisten, plaudert, raucht und lacht, ein paar Nachbarn stoßen schnell hinzu. Gastfreundschaft hat bei Armeniern eine beinahe mythische Bedeutung.

Bald schon kommt man auf die Frage, wer wohl der berühmteste aller Armenier sei. „Henrich Mchitarjan“, wirft einer in die Runde, offenkundig Fußballfan. Zustimmendes Raunen. „Arthur Abraham“ – die Ladenbesitzerin schlägt den Profiboxer vor und erntet noch mehr Zuspruch.

Jetzt hagelt es Vorschläge aus allen Ecken: die Sängerin Cher, Ex-Tennisspieler André Agassi, Artjom Mikojan, „Erfinder“ der MIG-Kampfflugzeuge. Beim Po-Wunder Kim Kardashian stöhnt die Runde entnervt auf. Dann wird es skurril: Einer behauptet, Stalin sei das „Nebenprodukt“ einer Affäre seiner georgischen Mutter mit dem armenischen Hauslehrer, also Armenier.

Empörung macht sich breit, „Armenier finden selbst bei Indianern armenische Wurzeln“, sagt einer. Und schlägt Charles Aznavour vor. Der ist bekanntermaßen kein Indianer und hat armenische Eltern, auf den sind sie alle stolz hier, auf den einigen sie sich schnell. Und trinken einen selbst gebrannten Maulbeer-Wodka auf den armenischen Helden, der 2009 in Stepanakert war, um die neue Konzerthalle der Stadt einzuweihen. Ihr Name: Charles-Aznavour-Kulturzentrum.

Tipps und Informationen

Anreise: Reisen nach Bergkarabach sind nur von Armenien aus möglich. Flüge nach Eriwan/Armenien zum Beispiel mit Austrian via Wien oder Aeroflot via Moskau. Von Eriwan gehen stündlich Busse nach Stepanakert (sechs Stunden, zehn Euro). Möglich ist auch die Anreise per Mietwagen ab Eriwan. Für Bergkarabach benötigen Westeuropäer ein Visum, das nach Grenzübertritt in Stepanakert unkompliziert ausgestellt wird (sechs Euro) und bei der Ausreise vorzuzeigen ist.

Buchung: Man kann Bergkarabach mit einer Armenien-Rundreise kombinieren, muss sich den Abstecher aber selbst organisieren. Gebeco bietet zum Beispiel eine 9-tägige Gruppenreise „Entdeckungen am Fuße des Ararat“ ab 1295 Euro an inklusive Flügen, Programm, Teilverpflegung. Bei Dertour kostet eine viertägige Privatreise „Höhepunkte Armeniens“ ab/bis Eriwan ab 1330 Euro.

Unterkunft: Hotels in Stepanakert: „Park Hotel Artsakh“, einfach und ordentlich, ab 46 Euro; „Vallex Garden Hotel“, modern und gehoben, ab 56 Euro.

Sicherheitslage: Die Bundesregierung erkennt die „Republik Bergkarabach“ völkerrechtlich nicht an und rät von Reisen ab, weil es an der Waffenstillstandslinie zu Aserbaidschan hin und wieder zu Scharmützeln kommt. In Zentral-Bergkarabach und entlang der beschriebenen Route ist die Lage ruhig.

Auskunft: Die Website der Tourismusverwaltung von Bergkarabach bietet ausführliche Informationen: karabakh.travel/en/

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Gebeco. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

 

Artikel-Quelle:

http://www.welt.de/reise/Fern/article149040929

November 17, 2015

Gastfreundschaft, Malerische Landschaften, Geschichte und Kunst, Speisen und Tradition

Ein Urlaub in einem Charming Hotel ist ein einzigartiges Erlebnis. Man braucht die Hotels nicht nach Sternen einzustufen, weil das Hauptmerkmal dieser wunderschönen Plätze etwas ist, was man anderswo nicht finden wird: Gastlichkeit. Ein Aufenthalt in einem Hotel, B&B oder Agriturismo mit Charme bedeutet, dass man auf Besitzer trifft, die einen sich wie zu Hause fühlen lassen. Ob Sie nur eine Nacht bleiben, einfach zum Abendessen oder eine ganze Woche, Sie werden die wahre Bedeutung von Wärme, Aufgeschlossenheit, Freundschaft und Gemütlichkeit entdecken.

 

Charminly ist ein Internetportal, das Ihnen Gelegenheit bietet, diese Welt von Charme zu entdecken. Wir bieten Plätze an, die sowohl ungewöhnlich als auch anregend sind. Tatsächlich suchen Carolina und Roberto zunächst diese Unterkünfte auf, kontaktieren die Besitzer und evaluieren Zustand und Service direkt vor Ort, bevor sie eine Empfehlung für die Allgemeinheit aussprechen.

 

Auf diese Weise ist Charminly ein virtuelles Fenster zu einer realen Welt, die Carolina und Roberto wohlbekannt ist und in die sie Sie einladen, nachdem sie den wundervollen Ort mit eigenen Augen gesehen haben..

 

Wenn Sie sich für einen Urlaub in einem der von Charminly angebotenen Hotels entscheiden, haben Sie Zugang zu einem weitgefächerten Angebot, das für viele Leute passend ist, besonders für diejenigen, die auf neue Entdeckungen aus sind. Es ist auch bestens geeignet für neugierige Urlauber, die sich nach neuen Wegen und neuen Erfahrungen sehnen. Mit Charminly können Sie den Reichtum Italiens abseits der viel beschrittenen Wege entdecken. Das liegt daran, dass die Charming Unterkünfte ein Bestandteil der Umgebung und der Kultur ihres Landes sind. Sie bewahren Traditionen und berücksichtigen gleichzeitig die Bedürfnisse von Heute.

 

Zusammen mit der Unterkunftsbeschreibung findet man auf dem Charminly Portal alle Orte, die man in der Umgebung besuchen kann. Darüber hinaus gibt es Informationen über Ort und Zeitpunkt diverser Festivitäten, historischer Ereignisse, kirchlicher Feste, Tanz & Musik und weniger bekanntes künstlerisches Erbe. Sie treffen auf uralte Feiern, die die Jahrhunderte fast unverändert überdauert haben, und Festivals, die erst vor wenigen Jahren ins Leben gerufen wurden. Sie können sich von den wilden Karnevalstänzen mitreißen lassen oder sich am Ufer eines Sees entspannen oder beides! Das hängt von Ihnen ab!

 

Sie könnten sich in einer alten Villa aufhalten oder einem Landhaus, auf einem kleinen Bauernhof oder einem großen Landgut, von wo aus Sie die Umgebung erkunden. Was überaus wichtig ist: Sie erfahren etwas über die Essen- und Weintradition sowie die vielen alt-hergebrachten Rezepte, wobei auf die Qualität lokaler Erzeugnisse besonderen Wert gelegt wird, auf das, was man heute „Slow Food“ nennt, was zu Gepflogenheit und Charakteristikum unserer italienischen Gegenden gehört.

 

Durch von Charminly angebotene Unterkünfte haben Sie Gelegenheit, die Vielfalt Italiens kennen und schätzen zu lernen. Sehenswürdigkeiten und Landschaftsbild, Küche, Tradition, Mundarten und Geschichte unterscheiden sich von Region zu Region und von Stadt zu Stadt. Jedoch werden Sie bemerken, dass in aller Vielfalt auch eine Einheit besteht, die alles zu einem Land werden läßt.

 

September 26, 2015

Insel Ischia in Italien: Wandern für Warmduscher

Der Ischia-Urlaub beginnt schon auf dem Sonnendeck der Fähre: Die Silhouette von Neapel, geprägt von Castel Nuovo und Castel dell’Ovo, verschwindet langsam am Horizont, der Vesuv zeigt sich mit seinem charakteristischen Doppelgipfel. Später tauchen die Landspitze von Capo Miseno und Procida – Ischias kleiner Schwesterinsel – auf. Nach nur 45 Minuten steuert der Kapitän sein Schiff zielsicher ins kreisrunde Hafenbecken von Ischia Porto.

Zahlreiche Taxifahrer umwerben die ankommenden Passagiere. Mit dreirädrigen Gefährten, perfekt für die Fahrten auf den schmalen Straßen der Insel geeignet, befördern sie die Gäste zu ihren Quartieren.

„Das war auch schon Ende der Fünfzigerjahre so“, sagt Antonio di Meglio. Damals steckte der Tourismus noch in den Kinderschuhen, erzählt der heute 80-Jährige. „Ich habe schnell gelernt, dass man mit Touristen mehr Geld verdienen kann als mit den Weinbergen, die meine Eltern bewirtschafteten“, erklärt er.

Zunächst sei er nur mit dem Taxi unterwegs gewesen, am Anfang sogar ohne Lizenz. Später habe er Gäste, die eine Unterkunft suchten, im Wohnhaus der Eltern einquartiert. „Viele Besucher wollten die Insel kennenlernen – also habe ich auch noch Inselrundfahrten für sie gemacht und ihnen die schönsten Ecken gezeigt“, sagt di Meglio.

Heiße Quellen erhitzen das Meer

Di Meglio baute ein eigenes kleines Gästehaus, schon bald aber wuchs ihm die Arbeit über den Kopf. Eine Frau aus Deutschland wäre perfekt fürs Geschäft, dachte er. Und dann stand eines Tages Brunhilde aus Hagen am Hafen und wartete auf ein Taxi.

„Als ich sie sah, wusste ich sofort, das ist genau die Frau, die ich suche. Natürlich war auch Liebe im Spiel“, sagt er und lacht. Heute führen die beiden Kinder Andrea und Giovangiuseppe die zum Mittelklassehotel gewachsene Herberge weiter.

„Die meisten Gäste kommen immer noch zum Badeurlaub“, sagt Tochter Andrea. Schließlich böten die zahllosen heißen Thermalquellen fast das ganze Jahr über die Möglichkeit, in natürlich warmem Wasser zu baden.

In der Bucht von Sorgeto zum Beispiel ist das Meer durch die heißen Fumarolen, kleine Öffnungen im Vulkangestein, so warm, dass man selbst im Winter in warmes Wasser eintauchen kann. Am Strand von Carta Romana schwimmt man mit Blick auf das Castello Aragonese, und auch dort sorgen heiße Quellen für traumhafte Badetemperaturen.

Doch gerade Besucher aus Deutschland haben Ischia auch als Wanderziel entdeckt. „Ischia ist eine grüne, durch vulkanische Aktivitäten geprägte Insel“, sagt Andrea di Meglio. Sie bietet wöchentlich mehrere Wandertouren für Gäste an, die durch Weinberge und schattige Wälder führen und immer wieder großartige Ausblicke auf das im Sonnenlicht blau glänzende Mittelmeer bieten.

Der Wanderklassiker: der Gipfel des Epomeo

Eine der schönsten Touren beginnt in Ischia Ponte. Zwar hat sich auch das einstige Fischerdorf auf den Tourismus eingestellt, aber die engen Gassen mit alten Häusern und verwitterten Fassaden haben bis heute viel Charme.

Überragt wird der kleine Ort vom mächtigen Kastell der Aragoneser. Der Burgkomplex thront auf einer vorgelagerten Felsinsel und ist stolzes Symbol der wechselhaften Inselgeschichte. Das etwas höher gelegene Dörfchen Campagnano bietet nach rund 20 Minuten Wanderung den wohl schönsten Blick auf das Kastell.

Nach einer weiteren halben Stunde taucht Torri di Campagnano auf. Nur noch wenige alte Bauernhäuser sind im winzigen Dorf bewohnt. Das Panorama ist postkartentauglich – und der Blick reicht bis hinüber zum benachbarten Capri.

Unterwegs erzählt Andrea die Meglio viel über die Flora der Insel. Sie ist froh, dass die Bauern wieder die lange vernachlässigten Weinberge kultivieren: „Die Arbeit in den steilen Hanglagen ist beschwerlich, aber es lohnt sich. Immer mehr Gäste möchten regionale Produkte probieren, da darf Wein nicht fehlen.“

Ein Klassiker bei den Wanderungen ist der Aufstieg zum Gipfel des Epomeo. Mit 789 Metern ist der Vulkankegel Ischias höchster Berg. Gestartet wird in Forio Monterone. Der Weg führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft hinauf bis zur Einsiedelei Santa Maria del Monte. Danach passieren die Wanderer einen Akazienhain, um dann den letzten steilen Streckenabschnitt in Angriff zu nehmen.

Die Mühen des Aufstiegs werden mit einem fantastischen Rundumblick belohnt. Wer mag, stärkt sich im Bergrestaurant für den Abstieg. „Frühaufsteher können hier oben auf dem Gipfel ein besonders stimmungsvolles Schauspiel erleben“, erzählt Andrea di Meglio: „Dann taucht die aufgehende Sonne unsere Insel in ein unvergleichlich schönes Licht.“

Zur Internetseite:

www.spiegel.de/reise/europa/ischia-wandern-fuer-warmduscher-a-1053195.html

Juni 26, 2015

Armenien: Ein Reiseführer für Reisende

Armenien ist eines der ältesten und einzigartigsten Länder in Transkaukasien. Trotz seiner schwierigen Vergangenheit und der vielen tragischen Ereignisse dort, war dieses wundervolle Land dazu in der Lage, eine reiche Kultur und Traditionen zu bewahren. Das Gebiet von Armenien ist relativ klein, bietet seinen Gästen jedoch einiges: Die wunderschönen Landschaften und antiken Sehenswürdigkeiten, eine schmackhafte Küche und attraktive Orte für aktive Urlaube! Reisende besuchen Armenien nicht nur, um Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, sondern auch für aktive und extreme Urlaube, da Sie dort auch Skifahren und Snowboarden können.

Die antiken Architekturmonumente

Dieses Land ist besonders für Reisende interessant, die es bevorzugen, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, denn diese gibt es überall! An den wichtigsten dieser Orte finden sich jedoch einzigartige Architekturmonumente, die alle eine Verbindung zum Christentum aufweisen, was nicht ohne Grund ist: Armenien ist das erste Land der Erde, dass das Christentum als Staatsreligion angenommen hat. Dies geschah im Jahr 301 mit Hilfe Gregors des Erleuchters (dem Gründer des Christentums) und des armenischen Königs Trdat III. Nun lassen sich Monumente des Christentums überall im ganzen Land finden: Antike Tempel und Klöster, einzigarte Steinkreuze, die mit feinen Mustern überzogen sind und Fresken, welche sich in den verlassenen Klöstern finden lassen.

Geghard

Eine der meistverehrtesten und populärsten Plätze für Reisen nach Armenien ist das Geghard Kloster, welches an den Abhängen der Klippen an der Schlucht des Flusses Azat liegt. Dieses einzigartige Kloster begeistert durch seine felsige Architektur und es ist kein Zufall, dass es eines der beliebtesten Orte unter Reisenden ist! Majestätische Landschaften umgeben den Klosterkomplex, welche niemanden desinteressiert zurücklässt.

Ein weiterer großartiger Ort den Sie in Armenien besuchen können ist das Tatev Kloster – eines der populärsten spirituellen Zentren während des Mittelalters. Der Pfad dorthin führt durch einen sehr tiefen Canyon, in dessen Grund der Fluss Vorotan fließt. Sie können das Kloster entweder mit dem Auto oder mit der Seilbahn erreichen, welche die längste der Welt ist (5.7km) und im Guinness Buch der Rekorde verzeichnet ist.

Einzigartige Ecken

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass beinahe jeder Winkel Armeniens Aufmerksamkeit verdient hat, denn das Land trägt nicht umsonst den Titel „Museum unter offenem Himmel“. Es gibt jedoch Stellen, die unserer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Der Besuch dieser einzigartigen und wunderschönen Orte wird Ihnen für lange Zeit in Erinnerung bleiben.

Zuerst sollten wir den unglaublichen azurblauen See Sevan erwähnen, welcher aufgrund seiner unbeschreiblichen Schönheit auch „Perle Armeniens“ genannt wird. Dieser See ist einer der höchsten Süßwasser Seen in der ganzen Welt. Diese Region ist außerdem ausgezeichnet für eine Ruhepause. Zahlreiche Hütten, Hotels und Tourismuszentren wurden dort gebaut. Und für alle, die gerne Tauchen, Surfen, Fischen und Segeln finden sich dort gute Bedingungen für einen wundervollen Zeitvertreib. Das Gebiet um den See ist zudem für seine Sehenswürdigkeiten bekannt: Hier können Sie neben dem berühmten Sevanavank Kloster, welches im vierten Jahrhundert gegründet wurde, auch die antiken Tempel von Astvatsin und Arakelots finden.

Karaunj

In der Synuik Region, 3km von der gemütlichen Stadt Sisian entfernt, ist ein weiterer interessanter Ort, der unter Reisenden sehr beliebt ist. Es ist ein antiker megalithischer Komplex, bestehend aus hunderten von großen Steinen. Dieser Komplex wird auch „Karahunj“ genannt, was sich als „singende Steine“ übersetzen lässt. Forschungen zufolge wurde diese einzigartige Attraktion nicht später, als im dritten Jahrtausend vor Christus errichtet. Es gibt verschiedene Meinungen zur Funktion dieser Konstruktion, jedoch wurde vor einigen Jahren bewiesen, dass der Komplex einen astronomischen Zweck besaß und als Observatorium zur Beobachtung der Sterne diente. In vielen der Stelen wurden Löcher gebohrt, die der Position der Sterne im Himmel von vor siebeneinhalbtausend Jahren entsprechen. Karahunj wird auch das „Armenische Stonehenge“ genannt.

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Wir wollen außerdem die Lastiver Höhlen und die malerische Straße, die dorthin führt anmerken, welche vor allem von Reisenden bevorzugt wird, die gerne Wandern. Diese fabelhafte, mit weißem Kies befestigte Straße beginnt im Dorf Enovakan. Zur Rechten erstreckt sich dort dichter und mysteriöser Wald und zur Linken, eine tiefe und malerische Schlucht, gefüllt mit weißem Nebel. Es sind in etwa 3km Fußweg vom Dorf zu den Höhlen. Im 13-14 Jahrhunderts versteckte sich hier die lokale Bevölkerung während der Invasion der Mongolen. An den Höhlenwänden können Sie die unbeschreibliche Schönheit der dort vorhandenen Basreliefs bewundern.

Reges Leben

Wie bereits erwähnt, besuchen Reisende Armenien nicht nur um die Landschaft zu bewundern und Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Tatsächlich bietet dieses Land auch Leuten etwas, die Fans lebhafter Freizeitgestaltung sind.

LakeSevanMountains

Der beliebteste Sport in Armenien ist natürlich das Skifahren, da die natürlichen Bedingungen und das Terrain perfekt dafür sind. Um diese Art der Outdoor-Aktivitäten zu genießen, müssen Sie nach Tsaghkadzor oder Jermuk gehen, welche bereits erwähnt wurden.

ParaglidingArmenia

Skifahren ist jedoch nicht alles! Die Sommer-Saison bietet auch Fans von Extremurlauben etwas Interessantes. Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt wird Paragliding in Armenien betrieben. Die Orte, an denen geflogen wird sind wunderschön und vielfältig. Die beliebtesten sind jedoch das Dorf Covagyugh nahe dem Sevan-See und das Dorf Dozraglux in der Nähe der Stadt Aparan.

Juni 3, 2015

Route nationale 7: Im alten Opel Kapitän über die Route 66 Europas

Was ist aus der Landstraße, der alten Fernstraße geworden? Was aus den Wegen, auf denen die Reisenden nicht durch die abgeschirmte Welt sechsspuriger, kreuzungsfreier Autobahnen von einem Ende des Landes zum anderen geführt werden? Auf denen sie vielmehr mit ihrer Limousine mitten durchs Leben rollten, auf zwei Spuren mit Gegenverkehr, und immer mal entschleunigen mussten, auch stehen bleiben, wobei ihr Blick durch die Fenster in Wohnzimmer, Cafés oder Geschäfte fiel.

Bei heruntergekurbelten Scheiben zogen die wechselnden Gerüche, Geräusche und Temperaturen herein. Mehrere Tage auf engstem Raum unterwegs, Strapazen, plärrende Kinder – aber viele der Straßen durch Städte, Dörfer und Landschaften wurden verehrt, einige besungen, sie waren legendär, ihre Namen standen für Sehnsucht, Fernweh, für die schönsten Jahre des Autokults.

Die französische Antwort auf die amerikanische Route 66

Willkommen im Roadmovie, Einsteigen ins Jahr 1956, jedenfalls in ein Auto aus jenem Jahr. Mit einem alten Opel Kapitän geht es „in die Sonne, in die Freiheit“. So heißt das Buch des Autors Michael Kröher und des Fotografen Wolfgang Groeger-Meier, die uns darin, fast wie im Kino, ihre Reise auf so einer Straße vorführen. Auf der französischen Route Nationale 7, die Ikone für den Autoverkehr in Richtung Süden aus den 50er- und 60er-Jahren.

Ausgangspunkt: Paris. Endpunkt: Mittelmeer, kurz hinter Nizza bei Menton. Neben den sonnenhungrigen Touristen zogen Tramps, Hippies und Straßenmusiker entlang der Nationale 7 (RN 7) gen Süden. Auch Groeger-Meier war auf der Strecke einst zu Hause. Aufgewachsen in Paris sah er sie als Kind viele Jahre hintereinander, jeden Sommer vom Rücksitz des elterlichen Peugeot 404 aus, hin und zurück.

Die RN 7 ist ein Traum, liebevoll auch „Route Bleue“ genannt – blau wie das Meer und der Himmel an der Côte d’Azur. Sie war die französische Variante der amerikanischen Route 66. Doch mit dem Ausbau der mautpflichtigen Autobahnen verblasste ihr Ruhm. Heute schätzen Nostalgiker den Umweg, am stilvollsten im Oldtimer. Wer sie in unseren Tagen befahren will, muss allerdings historischen Straßenkarten folgen. Auf den neuen ist sie nicht mehr markiert, ihr offizieller Status ist passé.

Seit die Nationale 7 entwidmet wurde und die Zuständigkeit 1972 an die Departements ging, ist das Original auf vielen Etappen „verfälscht“, der Verkehr auf Umgehungsstraßen verlegt, auf vierspurige Schnellstraßen, oder gleich auf die Autobahn. Um so charmanter, inzwischen fast schon wieder naturbelassen, präsentiert sich die ursprüngliche Strecke. Und sie sind noch zu finden, die berühmtesten Etappen, die Rastplätze und Tankstellen, die Gasthäuser und berüchtigten Engpässe in den Orten, einst in der Hochsaison geplagt von stundenlange Staus.

Sie fahnden nach Zeugen aus der Zeit der Route nationale

Die ersten Kilometer der Strecke – Beginn ist vor der Kathedrale Notre Dame – verlieren sich noch im Straßengewirr des Pariser Zentrums. Hinaus geht es durch die Betonschluchten der Trabantenstädte. Von ihnen war damals noch nichts zu sehen, nichts zu ahnen von der explosiven sozialen Brisanz, die dort heute herrscht. Bei Orly steht am Straßenrand der Torso einer Concorde.

Dass der Traum vom Überschall-Passagierverkehr schon bald ausgeträumt sein würde, ahnte auch keiner in der Zeit, als die Pferdestärken unter der Haube immer mehr und die Pisten immer breiter wurden. Dann, hinter Fontainebleau, kommt das Gefühl der Landstraße auf, alte Alleen, von Buschwerk überwucherte Tankstellen, längst geschlossene Rasthäuser, angepriesen in den alten Reiseführer. Sie und die verwaschenen Reklamewände auf Häusern, mit Werbung für längst verschwundene Marken, zeugen von der einst so lebendigen Verkehrsader.

Anders als die Familienväter aus den Sechzigern und Siebzigern, die ihre Dauphine, R4 oder Simca Aronde nach Kräften prügelten, damit sie spätestens am zweiten Abend am Mittelmeer das Zelt aufschlagen konnten, lassen sich Kröher und Groeger-Meier Zeit, für sich, für den Leser, für ihren Kapitän. 1000 Kilometer in fünf Tagen, Spurensuche auf der Nationale 7.

Sie fahnden nach Zeugen aus der großen Zeit, Besitzer überlebender Werkstätten und Tankstellen etwa, die damals, zu Zeiten ihrer Väter, öfter zum Boxenstopp luden, weil die Ölwechsel noch alle 5000 Kilometer vorgeschrieben waren und allfällige Malaisen nervten, gerissene Bowdenzüge oder verdreckte Unterbrecherkontakte.

Die Autoren besuchen die Attraktionen der Durchgangsorte, an denen auch die Urlaubshungrigen, bei aller Eile, wenigstens beim ersten Mal kurz innehielten, die Brücke von Avignon, die römischen Amphitheater in Vienne und Orange. Sie treffen Menschen, die noch sehnsüchtig vom großen Durchgangsgeschäft in der Gastronomie und im Einzelhandel berichten können.

Wo die Ente endlich mal den Käfer abhängen konnte

Aber auch nach vorn denkende Bürgermeister, die entlang der heute ruhigeren Strecke sanften Tourismus aufbauen, und Wirte aus Sternerestaurants, die daran teilhaben wollen. Oder sie besuchen Häuser, die unmittelbar von der RN-7-Nostalgie zehren, wie das „Musée Mémoire de la Nationale 7“ in Piolenc, in dem die Kleinwagen alle stehen, die damals die Strecke bevölkerten.

Die Landschaften wechseln mit den Flusstälern, Île-de-France mit der Seine, Burgund und Zentralmassiv mit der Loire. Dann der Aufstieg zur westeuropäischen Wasserscheide zwischen Atlantik und Mittelmeer, zum Col du Pin-Bouchain auf immerhin 760 Meter über dem Meer, wo damals die 2CV-Ente endlich mal den etwas stärker motorisierten VW abhängen konnte. „Der Käfer ist eben doppelt so schwer und kann nicht so gut durch die Kurven schaukeln“, verteidigte sich dann der deutsche Papa am Volant in Richtung Rückbank.

Noch sind sie nicht überall verschwunden, die oben abgerundeten, rot-weißen Kilometersteine der Nationale 7 und all die anderen alten Wegmarken, gemalt, gegossen, gemauert, obwohl ihnen ihre offizielle Funktion genommen wurde. Irgendwann werden sie unter Denkmalschutz stehen. Beim Abstieg zur Rhône beginnt es, nach Mittelmeer zu riechen, hinunter geht es zu den Pinienwäldern, zu den Olivenbäumen, den Kräutern der Provence, den zirpenden Grillen, den warmen Abenden.

Das Auto der beiden Autoren, fast sechzig Jahre alt, ist denkbar passend. Ihr Kapitän, Oberklasse, sechs Zylinder, 75 PS, 140 Spitze, war vielleicht der schönste in der Modellreihe, die damals fast jährlich die Karosserie wechselte und dabei ansonsten meist nur amerikanischen Protz nachahmte. Der „56er“ nicht, zweifarbige Eleganz, freundliches Gesicht, zurückhaltende Proportionen.

Nun gut, Weißwandreifen hätten vielleicht gepasst, vor allem ein Autoradio. Dann nämlich hätten die Fahrer in den fünf Tagen daraus sicher irgendwann den Schlager von Charles Trenet aus dem Jahr 1959 über die Straße herausgeholt: „Man ist glücklich auf der Route Nationale 7“, sang Trenet damals, trällerte über die Olivenbäume am Straßenrand, den Himmel darüber und die Sonne im Herzen. Ein Hit. Es blieb nicht der einzige über die Kultstraße.

Warum die beiden Autoren nicht mit einem Citroën DS 19 oder Peugeot 404 unterwegs waren? Kröher sagt, sie hätten auf der Strecke, die heute von vielen französischen Nostalgikern in ihren einheimischen Oldtimern befahren wird, mit dem Kapitän ganz bewusst zeigen wollen, dass sie aus dem Ausland, aus Deutschland gekommen seien. Dabei dürfte das freundliche Gesicht auch damals auf der Nationale 7 kein unbekanntes gewesen sein. Der Kapitän, die Oberklassen-Limousine, war in den 50er-Jahren zeitweise der am drittmeisten verkaufte Autotyp in Deutschland, hinter dem VW Käfer und dem Opel Rekord, und zwei Drittel der Produktion gingen ins europäische Ausland.

Klassiker, zu denen die Highways niemals aufrücken werden

Beliebt war die Strecke sowieso auch bei Urlaubern in Deutschland, wo es an legendären Landstraßen eher mangelte. Wer hier nach dem Krieg in den Süden in die Ferien wollte, dem standen von Anfang an Autobahnen zur Verfügung, und die hatten noch nie Charme. Gab es je ein sehnsüchtiges Lied über die „Hafraba“, die Autobahn von den Hansestädten über Frankfurt nach Basel? Oder über Bundesstraßen wie die B 3, die zu Beginn wenigstens noch manche Lücke im vierspurigen Netz zweispurig schließen mussten?

Sie blieben ohne Glanz, nie wurde eine deutsche Fernstraße mit der Route 66 durch die USA verglichen, die Nationale 7 dagegen immer wieder. Erst vor Kurzem führte die „Washington Post“ in einer Reportage die Parallelität an. Auch der alte amerikanische Highway ist Kult, in einem Land, in dem die großen Roadmovies wie „Easy Rider“, „Paris, Texas“ oder „Wild at Heart“ eben die guten alten zweispurigen Straßen in Szene setzen, jene Klassiker, zu denen die Highways niemals aufrücken werden.

Kurz vor dem Ende der RN 7 schossen die Autoren noch ein Foto vom Hauptdarsteller, ihrem Kapitän, vor dem Schloss in Villefranche-sur-Mer, in dem die Rolling Stones Songs schrieben und Joints rauchten. Das war Anfang der Siebziger, als die Kultstraße zur Geschichte wurde. Wenige Kilometer später war auch damals Schluss, am Meer oberhalb von Menton. Hier stand – und steht immer noch – der letzte rot-weiße Kilometerstein, der das Ende markierte – und den Start zurück nach Paris.

Link zur Homepage:

http://www.welt.de/reise/nah

Mai 31, 2015

Mexiko: Schon mal mit einem Walhai geschnorchelt?

Es ist ein einzigartiges Spektakel, das sich in den Sommermonaten vor der Küste der mexikanischen Halbinsel Cancún abspielt: Jeden Morgen steigen Hunderte hungriger Walhaie hoch zur Wasseroberfläche, um Nahrung zu suchen. Gleichzeitig machen sich Hunderte von Touristen in mehr als 200 Booten auf den Weg zu den Fressplätzen vor den Inseln Isla Holbox, Isla Contoy und Isla Mujeres. Dort springen sie mit Schnorchelausrüstung zu den Tieren ins Wasser – mit noch unbekannten Folgen für die Meeresfauna.

Das Seegebiet zwischen dem Golf von Mexiko und der Karibik ist nach Angaben des mexikanischen Meeresbiologen Francesco Molina einer der reichsten Fressplätze des Meeres weltweit. Hier gelangen riesige Planktonmengen aus den kalten Regionen des Atlantiks an die Oberfläche und gedeihen dort prächtig. Und so kommen alle, um zu fressen: Sardinen, Thunfische, Marline, Delfine, Haie, Mantarochen – und eben die Walhaie.

Den Walhai-Tourismus in Mexiko gibt es erst seit wenigen Jahren. „Die Fischer wussten schon seit Langem von den Walhaien, aber sie haben sie nicht gefangen“, sagt ein Pionier des Hai-Tourismus von der Isla Mujeres, Nacho Peon. „Denn sie orientierten sich an ihnen, um ihre Netze auszuwerfen. Sie wussten, wo die Haie sind, da gibt es Plankton und viele andere Fische.“

Paradiesische Zustände

Zu finden sind die Haie leicht, weil ihre Rücken- und Schwanzflossen aus dem Wasser ragen. Im Jahr 2002 fuhren die ersten Boote mit Touristen zu den Walhaien nördlich der Inseln Holbox und Contoy an der Nordspitze Yucatáns. Es waren paradiesische Zustände mit drei oder vier Booten und maximal 40 Gästen täglich. Heute sind es mehr als 200 Boote und bis zu 2300 Touristen.

 

 

Die Zeiten, in denen mehr oder weniger professionelle Taucher mit sich und den Haien allein waren, sind vorbei. An einem guten Tag bringen die Touren einen Umsatz von bis zu 400.000 US-Dollar. Nach Angaben des Umweltministeriums sind im Walhaigeschäft bisher 750 direkte Arbeitsplätze entstanden.

Die Fahrten zu den „Dominos“ – so nennen die Fischer die Walhaie wegen der Punkte auf dem Rücken – sind zu einer der großen Attraktionen in der mexikanischen Karibik geworden. Eigentlich sind die Walhaie, die bis zu 16 Meter lang werden können, Einzelgänger. Sie leben in tropischen Meeren rund um den Globus und ernähren sich hauptsächlich von Plankton und Fischeiern. In anderen Weltgegenden werden sie mit Futter angelockt, damit die Touristen einzelne Exemplare zu sehen bekommen. In Cancún ist das nicht nötig.

Auswirkungen des Tourismus

Hier, wo sich die Gewässer des Golfs von Mexiko und der Karibik mischen, tummeln sich die Walhaie von Mai bis September. Der Biologe Rafael de la Parra hat im August 2009 bei einem Überflug an einem einzigen Tag 420 Exemplare gezählt. „Es ist die größte Ansammlung, die weltweit je gesichtet wurde“, sagt er. Die größte Anzahl an Mantarochen, die er dort antraf, lag bei 350. Gleichzeitig weiß de la Parra um die Auswirkungen des Tourismus: „Es sind zu viele Boote, die die Haie stören.“ An manchen Tagen werden sie von Schwimmern regelrecht bedrängt.

„Die Fische sind gutmütig, von einzelnen Schnorchlern lassen sie sich nicht von der Nahrungsaufnahme abhalten“, sagt der Fachmann. „Im Grunde sind sie gigantische Ansaugmaschinen, die die winzigen Planktonteilchen filtern.“ Wenn man die Tiere aber berührt oder wenn sie von einem Boot angestoßen würden, tauchten sie ab. Dadurch könne die Nahrungsaufnahme unterbrochen werden.

„Eine unzureichende Ernährung vermindert die Fähigkeit der Tiere, zu wachsen und sich zu vermehren“, sagt Francisco Remolina, ehemaliger Direktor des Nationalparks Isla Contoy, in dem sich das Schwimmen mit den Walhaien abspielt. „Dadurch werden beide Spezies, Walhaie und Riesenrochen, in ihrem Bestand gefährdet.“

Verhaltensregeln auf dem Meer

Die mexikanischen Behörden denken darüber nach, wie die touristischen Aktivitäten so organisiert werden können, dass die Tierwelt im Meer möglichst keinen Schaden nimmt, die Fischer ihr Auskommen haben und die Touristikindustrie gute Geschäfte macht. „Das ist die Herausforderung“, sagt Mari Carmen García Rivas, die Direktorin des Nationalparks Isla Contoy.

Weniger Lizenzen, Boote und Schwimmer sowie eine strikte Einhaltung der Verhaltensregeln auf dem offenen Meer – darauf laufen die Überlegungen hinaus. „Wenn die maximale Zahl an Reservierungen erreicht ist, wird die Liste geschlossen“, sagte García. Sie hofft, dass sich das auch durchsetzen lässt.

Remolina, ihr Vorgänger, hat seine Zweifel, weil die Lizenzen von verschiedenen Institutionen vergeben werden. „Und das Problem ist, dass die Entscheider in Mexiko-Stadt sitzen.“ Der Staat trage eine große Verantwortung. „Wenn wir es nicht schaffen, die Tiere zu schützen und mit ihnen das einzigartige Ökosystem, das wäre eine Schande von Weltmaßstab.“

 

Originalbeitrag lesen:

http://www.welt.de/reise/Fern/article141278969/

Februar 21, 2015

Urlaub in Tunesien:

Palmen-Idylle mit Kameraüberwachung, Boutiquehotels neben Bettenburgen: Obwohl sich die Lage in Tunesien nach Ausbruch der Revolution in der arabischen Welt recht schnell wieder beruhigte, kämpft das Land bis heute mit den Folgen der Krise – und mit dem Terror des Islamischen Staats, der auf das Land zurückstrahlt.

Auch die Tourismusbranche, die mit 6,5 Prozent einen beachtlichen Teil des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, leidet noch immer unter dem massiven Einbruch der Besucherzahlen. Die Krise zwingt das Land dazu, sich neu zu erfinden.

Vier Jahre nach dem „arabischen Frühling“ schürt nun die erste demokratische Wahl eines Präsidenten die Hoffnungen auf den wirtschaftlichen Aufschwung. Die scheidende tunesische Tourismusministerin Amel Karboul über Wachsamkeit, Musikfestivals im Wüstensand und ihren Wunsch, nach dem Berufsurlaub ein Sabbatjahr einzulegen.

Die Welt: In Tunesien begann im Dezember 2010 der „arabische Frühling“ mit der Verbrennung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. Gerade haben Sie die ersten freien Wahlen abgehalten. Tunesien gilt in der arabischen Welt als Vorreiter in puncto Demokratie. Was haben Sie besser gemacht als die anderen?

Amel Karboul: Das hat verschiedene Gründe. Zum einen dürfen wir auf eine lange Friedensgeschichte zurückblicken und verzeichnen eine hohe Bildungsrate – vor allem auch bei den Frauen. Zum anderen haben wir starke staatliche Institutionen: Zeigen Sie mir ein zweites Land, in dem am Freitag Revolution ist und die Leute am Montag wieder ganz normal arbeiten gehen – wie nach der Flucht des ehemaligen Präsident Zine el-Abidine Ben Ali am 14. Januar 2011.

Wir standen in der Vergangenheit immer wieder vor Situationen, die zu politischen Machtkämpfen hätten führen können. Doch die Beteiligten haben sich immer für die Demokratie entschieden – und gegen die Macht. Auch wenn das nie einfach war: Es zeigt die Reife, die das Land in den vergangenen Jahren erlangt hat. Das ist, denke ich, der Unterschied zu Ländern wie Libyen oder Syrien.

Die Welt: Dennoch hat der „arabische Frühling“ das Land in eine Krise gestürzt. Statt sieben kamen 2011 nur noch 4,8 Millionen Besucher ins Land, der Tourismussektor brach um 40 Prozent ein.

Karboul: Das ist das Paradoxe. Der Gewinner der vergangenen Jahre ist die Demokratie, es gibt aber auch einen Verlierer: die Wirtschaft. Tunesien ist sicherer als manche europäische Großstadt – und war es schon während und auch nach der Revolution. Aber wir haben das einfach schlecht kommuniziert.

Zum anderen ist es das Gesamtbild, auf das der Tourismus sehr empfindlich reagiert: Wenn in Syrien etwas passiert, schlägt sich das auch bei uns in Tunesien nieder. Wir sind Teil der arabischen Welt – und zahlen dafür einen hohen Preis, vor allem im Tourismus. Richtig ist, dass es hier immer wieder zu Demonstrationen kommt, was die Menschen verunsichert. Sie verlaufen aber friedlich und sprechen doch für die Demokratisierung des Landes.

Die Welt: Was hat sich seit der Absetzung und Flucht des Diktators Zine al Abidine Ben Ali 2011 im Tourismussektor verändert?

Karboul: Der Einbruch im ersten Jahr war für uns natürlich ein Schock. Wir spüren die Auswirkungen der Krise bis heute. Die Touristenzahlen steigen nur sehr langsam wieder, und vor allem die klein- und mittelständischen Hoteliers stecken nach wie vor in großen finanziellen Schwierigkeiten, mussten viele Mitarbeiter entlassen.

Es gibt aber auch einen positiven Effekt. In der Krise haben sich viele alternative Tourismuskonzepte zum Pauschaltourismus entwickelt: Boutiquehotels, Pensionen, Weingüter, neue Designlabels, das Streetart-Festival auf Djerba mit 150 Künstlern aus 30 Ländern, spirituelle Wanderungen werden angeboten.

Im Februar findet zum zweiten Mal ein elektronisches Musikfestival in der Wüste statt. Das ist eine ganz neue Energie, die das Land durchströmt. Und Tunesien hat diese kulturellen Schätze – wir haben sie nur nie verkauft.

Die Welt: Ist das das Ende der Bettenburgen?

Karboul: Nein. In den vier Sommermonaten ist der klassische Pauschalurlaub nach wie vor sehr gefragt – vor allem bei Familien und jungen Leuten, die Party machen wollen. 2014 waren wir in der Hauptsaison ausgebucht; und das wollen wir auch in diesem Jahr schaffen.

Aber das Jahr hat eben mehr als nur vier Monate, und die Saisonalität ist ein Problem für Hotels, die nicht selten bis zu 500 Mitarbeiter beschäftigen. Darum müssen wir Alternativen zum Strandurlaub entwickeln: Natur- und Kulturerlebnisse, Festivals, Yoga. Heute gibt es weltweit eine Milliarde Touristen pro Jahr, in zehn Jahren werden es doppelt so viele sein – das birgt auch für uns großes Potenzial.

Die Welt: Sie haben fünf Jahre in Deutschland gelebt. Wie wichtig ist der deutsche Markt für Tunesien?

Karboul: Sehr wichtig. Mit mehr als 400.000 Gästen pro Jahr machen die Deutschen einen beachtlichen Teil der Tunesien-Touristen aus. Außerdem sind deutsche Touristen für uns so etwas wie ein Qualitätsmerkmal: Wenn die zufrieden sind, sind meistens auch alle anderen zufrieden.

Die Welt: Gerade ist mit der Wahl von Beji Caid Essebsi die erste demokratische Machtübergabe in der Geschichte Tunesiens geglückt. Was erhoffen Sie sich vom neuen Präsidenten?

Karboul: Wir als Übergangsregierung hatten nach dem Abgang von Ben Ali drei Aufgaben: transparente, faire und sichere Wahlen, die Sicherheit im Land zu erhöhen und Wirtschaftsreformen auf den Weg zu bringen. Ersteres haben wir mit der Wahl von Essebsi erreicht, und auch die Sicherheit ist gestiegen. Diese neue Stabilität ist für den Tourismus enorm wichtig.

Das Schwierigste sind wohl die ökonomischen Reformen. Wir hoffen, dass die Wahl als Ende der Übergangszeit sowohl für Investoren als auch Touristen ein starkes Zeichen dafür ist, dass das Land auf dem richtigen Weg ist.

Die Welt: Essebsi hatte bereits unter dem Autokraten Ben Ali politische Ämter inne. Mit Habib Essid könnte nun außerdem ein hochrangiger Funktionär des Ben-Ali-Regimes neuer Regierungschef werden. Was macht Sie so sicher, dass das Land auf dem richtigen Weg ist?

Karboul: Wir haben in Tunesien heute eine starke bürgerliche Gesellschaft, verschiedene Parteien, freie Medien, transparente und demokratische Wahlen. Und Tunesien braucht alle verfügbaren Kompetenzen, um diese Strukturen aufrechtzuerhalten. Außerdem geht es uns nicht darum, eine gesamte Generation auszugrenzen. Wer Unrecht getan hat, musste sich dafür vor der Justiz verantworten.

Die Welt: 3000 Tunesier haben sich der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen – eine Entwicklung, die unter anderem in Form von Drohungen auch auf das Land zurückstrahlt. Wie gehen Sie damit um?

Karboul: Da haben wir eine ganz klare Strategie. Wir haben die Grenzkontrollen massiv verstärkt, schauen genau, wer das Land verlässt und wer kommt, und beobachten die Entwicklung verschiedener Gruppierungen über das Internet. Vor allem Leute, die aus Syrien zurückkommen, beobachten wir sehr genau – und bringen sie notfalls vor Gericht oder in psychologische Betreuung.

Mittlerweile haben wir auch alle Moscheen, die zwischenzeitlich von Extremisten besetzt waren, wieder unter Kontrolle. Sie sind wichtige Orte des intellektuellen Einflusses.

Die Welt: Wie gefährlich ist es zurzeit, in der arabischen Welt zu reisen?

Karboul: Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort für die mehr als 20 arabischen Länder. In Tunesien ist seit der Revolution kein einziger Tourist oder Besucher zu Schaden gekommen. Als Regierung tun wir alles, damit das so bleibt.

Die Welt: Ist Tunesien sicher?

Karboul: Tunesien ist schon seit Jahren sicher, ja.

Die Welt: In den vergangenen Wochen wurden in Tunesien ein Polizist und ein Mitglied der Nationalgarde brutal ermordet. Der scheidende Ministerpräsident Mehdi Jomaâ sagte kürzlich, er betrachte die Situation im Nachbarstaat Libyen als Gefahr für sein Land. Sie sind nicht beunruhigt?

Karboul: Die Situation in Libyen ist natürlich beunruhigend für die Stabilität der ganzen Region. Tunesien ist heute ein Sicherheitshafen für fast zwei Millionen Menschen aus dem Nachbarland. Mit ihren Familien haben Sie hier einen Zufluchtsort gefunden. Welches andere Land der Welt hat denn noch mal 20 Prozent der eigenen Bevölkerung zusätzlich aufgenommen? Und das friedlich und erfolgreich.

Die Welt: Ist Tunesien ein Sicherheitstrakt geworden?

Karboul: Wir haben schon versucht, das diskret zu lösen – mit Kameras an den Hotels zum Beispiel. Härtere Maßnahmen haben wir an der Grenze zu Libyen ergriffen, wo wir die Anlagen mit Toren und Sicherheitstechnik ausgestattet haben. Heute wird dort nicht mehr nur stichprobenartig kontrolliert, sondern wirklich jeder.

Vor den Wahlen und währenddessen gab es auch in den Städten vermehrt Polizeikontrollen. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen sich dadurch aber eher sicherer als verunsichert gefühlt haben.

Die Welt: Wie lange werden Sie diese Sicherheitsmaßnahmen aufrechterhalten?

Karboul: So lange wie notwendig. Wir bleiben wachsam und beobachten die Lage kontinuierlich – auch in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wie Deutschland oder Algerien.

Die Welt: Können Sie sich vorstellen, Ihre Funktion als Tourismusministerin auch unter dem neuen Präsidenten fortzusetzen?

Karboul: Wenn man mich fragt, dann würde ich es dann kontextabhängig entscheiden. Am liebsten würde ich jetzt allerdings, um ehrlich zu sein, mal ein Sabbatjahr einlegen – meditieren, Sport machen, mir die Zeit für Familie und existenzielle Fragen nehmen. Ich bin erst 41 Jahre alt – jung genug, um auch später noch mal in die Politik zurückzukehren.

Die Welt: Wo machen Sie Urlaub?

Karboul: Früher auf Djerba – meine Eltern und Großeltern leben hier. Weihnachten und Neujahr verbringe ich aber gern im sonnigen Südafrika, sonst finde ich auch Asien spannend. Seit ich Tourismusministerin bin, habe ich allerdings keinen Urlaub mehr gemacht. In diesem Amt ist man nie im Urlaub: Die Leute wollen mit einem immer über die Arbeit sprechen. Vielleicht muss ich mal woanders hinfahren.

Die Welt: Nach Deutschland zum Beispiel.

Karboul: Zum Beispiel – aber nicht im Winter. (lacht)

 

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http://www.welt.de/reise/Fern/article136119753/

Februar 7, 2015

Euro und Schweizer Franken: Wenn das Reisebudget durch die Finger rinnt

  • Mit dem Ende des Euro-Mindestkurses für den Schweizer Franken droht Touristen eine weitere spürbare Teuerung bei Besuchen im Alpenland.
  • Die Branche reagiert schockiert auf die Entscheidung der Nationalbank.
  • Besonders der Schweizer Wintertourismus steckt bereits seit Längerem in einer Krise.
  • Dass in den vergangenen Jahren viele Gäste ausblieben, führen Experten allerdings nicht nur auf die Preise zurück.
Von Charlotte Theile, Zürich, und Irene Helmes

Urlaub in der Schweiz ist kein Schnäppchen – das wussten EU-Bürger schon. Doch durch eine überraschende Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank dürften sich die Kosten regelrecht dramatisieren. Diese hat den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben. Innerhalb der ersten Stunden nach Bekanntgabe verteuerte sich die Schweizer Währung um mehr als 15 Prozent. So verliert das Reisebudget ausländischer Touristen spürbar an Wert. Wie sich der Wechselkurs in Zukunft verhält, ist zwar offen. Für den Fremdenverkehr in der Schweiz ist ein Kurssprung des Franken jedoch eine weitere schlechte Nachricht in Zeiten eines schweren Konkurrenzkampfs im Alpenraum.

In einer Pressemitteilung sprach der Schweizer Tourismus-Verband am Donnerstag von einem bedauernswerten Schritt der Nationalbank „aus heiterem Himmel“, der „für den nicht auf Rosen gebetteten Tourismus schwer zu verdauen“ sei. Man müsse nun weiter konsequent auf Innovation und die Stärkung des Images des Landes setzen. Der Chef des Schweizer Uhrenunternehmens Swatch sah in einer ersten Reaktion schwarz und sprach von einem „Tsunami, sowohl für die Exportindustrie als auch für den Tourismus und letztendlich für das ganze Land“. Branchen-Sprecherin Daniela Bär beklagte einen „schwarzen Tag für den Schweizer Tourismus“ und gab die Losung aus: „Schweizer, macht Ferien in der Schweiz!“.

Franken Schlecht für die Schweiz, gut für die Nachbarn

Die Zentralbank gibt den Franken frei. Wem schadet die Entwicklung? Und wer profitiert davon? Fragen und Antworten

Schon vor diesem Schock ging es etwa den Skiliften – ausgerechnet zum 150-jährigen Jubiläum des Schweizer Wintersports – alles andere als gut. Obwohl sie auch in der Saison 2013/2014 einige Millionen Menschen auf die Piste transportiert haben. 23,9 Millionen Skitage, sechs Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor, verzeichneten die Skigebiete. Sieht man sich die langfristige Entwicklung an, ist das Ergebnis noch eindeutiger: In der Saison 2008/2009 gab es noch 29,3 Millionen Skitage, fast 19 Prozent mehr als im vergangenen Winter.

Dieses schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren erklärten sich die Schweizer Bergbahnen in ihrem Jahresbericht zwar auch durch den warmen Winter und den Trend zu Schneesportarten, für die man keinen Lift braucht. Der wichtigste Grund für die Krise dürfte aber ein anderer sein: Die Schweiz als Urlaubsland war schon vor der heutigen Nachricht zum Wechselkurs zu teuer.

Etwas mehr als 69 Franken – zum bisherigen Kurs etwa 57 Euro, am Donnerstagnachmittag zwischenzeitlich sogar 67 Euro – kostet eine Tageskarte in den Schweizer Top-Winterskiorten derzeit durchschnittlich. In den angrenzenden Ländern – Italien, Frankreich und Österreich – liegen die Spitzen-Skigebiete unter 50 Euro. Viele Wintersportler sind deshalb in den vergangenen Jahren in die benachbarten Alpenregionen abgewandert: Seit 2003 wuchsen die günstigeren Konkurrenten, zu denen auch Deutschland gehört, jedes Jahr um durchschnittlich 0,4 Prozent. Die Schweiz verlor im gleichen Zeitraum fast zwei Prozentpunkte.

Touristen aus nahegelegenen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden entscheiden sich immer seltener für einen Urlaub in der Schweiz. Besonders die Deutschen, die im Jahr 2008 noch mehr als sechs Millionen Übernachtungen in Schweizer Hotels buchten, halten sich zunehmend zurück: 2013 waren es 1,7 Millionen Übernachtungen weniger als 2008.

Skigebiete für Alpinfahrer, Langläufer, Rodler Weiß für alle

Die großen Skiarenen wetteifern um jeden Pistenkilometer – doch es geht auch anders: Diese fünf Wintersportgebiete bieten, was das Herz von Skifahrern, Langläufern, Tourengehern oder Rodlern begehrt. Alles in einem.

Wegen hoher Löhne und hoher Investitionskosten konnte die Schweiz schon bisher über den Preis kaum mit den Nachbarländern konkurrieren. Der Direktor von Schweiz Tourismus, Jürg Schmid, versuchte dies vor Kurzem zu relativieren: „Die Schweiz war nie billig und wird es wohl auch nie sein. Entscheidend ist, dass sie den Preis wert ist.“

Doch genau daran kamen in jüngster Zeit immer mehr Zweifel auf. Während im Nachbarland Österreich in den vergangenen Jahren viel Geld in neue Lifte, Beschneiung und Hotels gesteckt wurde, wagen sich die Schweizer Hotels und Skigebiete erst jetzt an Investitionen. Viele konkurrierende Ziele in Bayern, Österreich oder Südtirol haben aufgeholt, indem sie zum Beispiel moderne Lifte und bessere Pisten bereitstellten.

Andreas Keller, Sprecher der Schweizer Seilbahnen, nannte schon vor Monaten einen weiteren Grund für die Schwierigkeiten: den starken Franken. Seit 2008 sei die Schweiz allein durch die Schwäche des Euro bis zu 20 Prozent teurer geworden. „Dieser Effekt ist für uns doppelt negativ: Für EU-Bürger sind wir teurer – und für die Schweizer sind die Ski-Gebiete in der EU billiger.“ Genau diesen Trend dürfte die Wechselkursfreigabe nun noch weiter verstärken.

Bei den Übernachtungen waren die Zahlen des vergangenen Schweizer Winters immerhin etwas besser als beim Skisport: 15,6 Millionen Logiernächte konnten die Hotels in der Saison 2013/2014 verzeichnen. 2009/2010 waren es zwar noch 15,9 Millionen – doch nach dem Tiefstand von 15,2 Millionen 2011/2012 ging es zuletzt langsam wieder bergauf. In der Saison 2013/2014 lagen die direkten Einnahmen des Schweizer Wintertourismus bei etwa 14 Milliarden Franken, das entspricht den Jahren davor. Allerdings gibt es einen Trend zum Sparen: Bei den Schweizer Jugendherbergen stieg die Zahl der Übernachtungen im vergangenen Jahr besonders stark. Wintertrends wie Wellness-Urlaub, Schneeschuhlaufen und Winterwandern werden immer beliebter – doch auch sie sind vor einer ungünstigen Entwicklung des Wechselkurses nicht gefeit.

Wintersport in den Alpen Wer hat’s erfunden?

Die Schweizer feiern in dieser Saison 150 Jahre Wintertourismus. Zu Recht? In Österreich macht man ihnen das Jubiläum streitig. Weil sich Tradition gut verkauft, deutet jeder die Geschichte für sich.

Trotz allem erklärte Tourismusdirektor Jürg Schmid zu Anfang dieses Winters, der Schweizer Wintersport sei im Jahr seines 150-jährigen Jubiläums in einer „hervorragenden Situation“. Gerade Hotels mit vier Sternen seien stark gefragt – 2013 konnten diese um mehr als elf Prozent zulegen. Es gebe eine Vielzahl an Innovationen und Investitionen, die das Land auch in Zukunft attraktiv machen würden.

Der Paukenschlag zum Wechselkurs könnte allerdings noch mehr Urlauber vor die Frage stellen, ob ihnen all das den Preis tatsächlich wert ist.

Tipps für die Alpen Die schönsten Orte im Winter

Es soll ja Menschen geben, die nichts mit der kalten Jahreszeit anzufangen wissen. Dabei gibt es so viele Orte, an denen der Winter Spaß macht. Wir stellen unsere Favoriten in den Alpen vor.

 

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Januar 24, 2015

Sonntag Aktuell Touristikpreis 2015: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten für Themenreisen ausgezeichnet

Hamburg (ots)

 - Sonntag Aktuell zeichnet kreative Reiseideen aus - Themenreisen "Fußball Weltmeisterschafts-Talks" von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten prämiert 

Hapag-Lloyd Kreuzfahrten gehört zu den am 18. Januar veröffentlichten Gewinnern des Sonntag Aktuell Touristikpreises 2015. Ausgezeichnet wurde das Themenreisen-Programm am Beispiel der „Weltmeisterschafts-Talk Reisen“ zur Fußball-WM im vergangenen Jahr. Auch 2016 zur Europameisterschaft wird dieses erfolgreiche Format an Bord der EUROPA und EUROPA 2 wiederholt.

Mit dem Touristikpreis zeichnet Sonntag Aktuell jährlich Veranstalter und Touristikbüros für ihre kreativen Reiseideen aus. In diesem Jahr stimmten über 4.000 Leser über die zwölf von der Redaktion vorgeschlagenen Konzepte ab und schlussendlich wurden drei Gewinner gekürt. Hapag-Lloyd Kreuzfahrten erhält die Auszeichnung in der Kategorie „Unterwergs-Reisen“ für das Themenreisen-Programm am Beispiel der „Weltmeisterschafts-Talk Reisen“ zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien im Sommer 2014. Während der WM-Zeit analysierten an Bord der EUROPA und EUROPA 2 auf ausgewählten Reisen unter fachkundiger Leitung von Jochen Sprentzel und Jörg Wontorra Vereinsmanager, ehemalige Nationalspieler oder Schiedsrichter die Spiele und diskutierten mit den Gästen über Spielsituationen, Platzverweise und Schiedsrichterentscheidungen. Aktionen wie eine WM-Lounge, Torwandschießen oder auch kulinarische Begleitungen zu den Spielen rundeten das Programm ab.

Auch zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich können sich die Gäste wieder auf die Weltmeisterschafts-Talk Reisen freuen. An Bord der EUROPA und EUROPA 2 wird es auch dann auf ausgewählten Reisen spannende Talkrunden und Spielanalysen mit namhaften Experten geben.

Ebenfalls zum Programm der Themenreisen an Bord der Hapag-Lloyd Kreuzfahrten Schiffe gehören unter anderem Familienreisen, Golfkreuzfahrten, Gourmet- und Musikreisen oder auch Studienreisen.

 

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Januar 12, 2015

TUI stellt sich auf Währungswechsel in Athen ein

Kaum jemand erinnert sich noch an Andreas Andreadis, der 2011 für einige Tage die deutschen und griechischen Schlagzeilen beherrschte. Der Präsident des griechischen Tourismusverbandes hatte damals im Brustton der Überzeugung erklärt: „Kein griechischer Hotelier wird sich darauf einlassen.“ Womit er auf eine Euro-Währungsklausel anspielte, die Deutschlands größter Reiseveranstalter TUI in die Verträge aufnehmen wollte, um sich bei einer Rückkehr zur Drachme gegen Wechselkursverluste zu wappnen.

Andreadis sollte sich irren. Heute, vier Jahre später, verfolgt die TUI die von der Bundesregierung forcierte Diskussion über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gelassen. Man sei auf jegliche Währungsereignisse eingestellt. Die Verträge seien inzwischen derart gestaltet, dass Verbindlichkeiten immer in Euro zu zahlen seien, sagte ein TUI-Sprecher gegenüber der „Welt“.

TUI baut Marktführerschaft aus

Er bestätigte zugleich, dass die neue Währungsklausel für Verträge mit Hoteliers aller europäischen Länder gelte, mit denen die TUI Geschäfte macht. 2011 hatte der damalige TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher nur die griechischen Unternehmer in die Pflicht nehmen wollen, nicht jedoch die spanischen, italienischen oder portugiesischen, was die Empörung in Athen ob der Ungleichbehandlung noch befördert hatte.

In der Zwischenzeit haben sich die Wogen geglättet, und das auch deshalb, weil die TUI das Versprechen, ihre Marktführerschaft bei den Hellenen auszubauen, trotz ihrer anhaltenden Streiklust gehalten hat. So ist die Zahl der in den Griechenland-Katalogen gelisteten Hotels von 281 im Jahr 2011 auf 452 in der Sommersaison 2015 gestiegen.

Im gleichen Zuge erhöhte der Veranstalter auch die Zahl der Flugsitze. „Gegenüber dem Vorjahr haben wir das Kontingent von TUIfly um zehn Prozent aufgestockt“, so der Sprecher. Die TUI ist davon überzeugt, dass ein großer Teil der deutschen Reisenden, die den nordafrikanischen und arabischen Raum wegen der anhaltenden Unruhen meiden, auf Griechenland ausweicht.

Und weil unter diesen „Neuzugängen“ vermutlich viele jüngere Urlauber seien, will der Veranstalter „mehrere moderne Hotels aus den Reisewelten ‚TUI Scene‘ und ‚TUI Lifestyle‘ auf Kreta, Kos, Korfu sowie auf dem Westpeloponnes eröffnen: „Wir glauben, dass die Region Chania auf Kreta Trendziel Nummer eins in diesem Jahr wird.“

Währungsvorteile für Urlauber

Vorsichtiger äußerte sich der Unternehmenssprecher zu den Folgen eines Euro-Ausstiegs – er heißt im euphemistischen Neusprech nun „Grexit“ – für die Urlauber. So hatte der frühere TUI-Deutschland-Chef Böttcher 2011 zugesichert, dass die TUI Währungsvorteile, die sich durch eine wahrscheinlich sehr viel schwächere Drachme ergäben, an ihre Kunden weiterreicht: „Sollten durch eine Drachmen-Währung die Reisepreise günstiger werden, würden die Vorteile weitestgehend – oder man kann sagen eins zu eins – weitergegeben.“ Das heißt, die Kosten für Griechenland-Reisen sinken.

Demgegenüber heißt es heute aus TUI-Kreisen lediglich: „Selbst wenn Griechenland die Euro-Zone verlassen sollte, hätte das für unsere Gäste keine Auswirkungen auf ihre gebuchte Reise. Die veröffentlichten Preise gelten weiterhin.“

Zwar vermutet man auch heute, dass „ein Euro-Ausstieg eine Abwertung der neuen griechischen Währung gegenüber dem Euro zur Folge hätte“. Allerdings wird in diesem Zusammenhang im Statement lediglich von verringerten Nebenkosten gesprochen: „Dann würden Lebensmittel, Getränke und Eintritte für Sehenswürdigkeiten noch günstiger als bisher.“

 

Original-Quelle:

www.welt.de/reise/nah/article136076047/

Januar 11, 2015

Billigflieger auf Expansionskurs: Ryanair will Nummer zwei in Deutschland werden

Düsseldorf – Europas größter Billigflieger Ryanair will die Lufthansa auf deren Heimatmarkt angreifen und Air Berlin vom zweiten Platz verdrängen. „Derzeit haben wir einen Marktanteil von rund vier Prozent in Deutschland, in den nächsten drei bis vier Jahren streben wir eine Steigerung auf 15 bis 20 Prozent an“, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary dem „Handelsblatt“.

Damit lägen die Iren bei der Zahl der Starts zwar noch weit hinter Marktführer Lufthansa und dessen Billigtochter Germanwings, die auf der Kurz- und Mittelstrecke einen Marktanteil von knapp 50 Prozent halten. Sie rückten aber Air Berlin auf den Deutschland- und Europastrecken auf die Pelle, die Airline hat dort einen Anteil von über 20 Prozent.

Vor der neuen Billigstrategie der Lufthansa zeigte O’Leary keine Angst. „Da treffen sich Ingenieure und Doktoren in Frankfurt und beschließen am grünen Tisch, dass sie einen Billigflieger gründen. Das reicht aber nicht.“ Auch die neuen Töchter – gemeint sind Germanwings und die neue Billigplattform Eurowings – hätten die hohe Kostenstruktur des Mutterkonzerns. Lufthansa-Chef Carsten Spohr verspricht sich von Eurowings hingegen um 40 Prozent geringere Stückkosten.

Ryanair drängt nach München

Hatte Ryanair bislang vor allem auf kleinere Flughäfen abseits von Großstädten gesetzt, will O’Leary künftig verstärkt größere Flughäfen ansteuern. „Wir reden derzeit mit acht deutschen Flughäfen, davon vier bis fünf Großflughäfen, die noch nicht zu unserem Netz gehören.“ Diese böten nun „satte Rabatte“ an, um von Ryanairs Wachstum zu profitieren. Mit der veränderten Strategie will die Airline auch mehr Geschäftsreisende gewinnen.

Von April an werden die Iren Stuttgart anfliegen, der Flughafen Fuhlsbüttel in Hamburg steht bereits im Flugplan. „Wir kommen in alle eure größeren Flughäfen außer Frankfurt“, hatte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs im Dezember in der „Wirtschaftswoche“ angekündigt – und namentlich den Münchner Flughafen genannt. Dort könnte es nach Aussage des Flughafensprechers aber schwierig werden, Slots zu bekommen.

Eigenes Vergleichsportal für Flugpreise

Den Umbau von Ryanair will O’Leary in den kommenden Monaten forcieren. Die Gesellschaft solle zu einem „Amazon der Lüfte in Europa“ werden. Voraussichtlich im März will er eine Website starten, die auch die Angebote der Wettbewerber auflistet. So sollten Kunden die Ticketpreise vergleichen können, ohne Preisvergleichsportale nutzen zu müssen.

Die Äußerungen von O’Leary im „Handelsblatt“ haben den Börsenkurs der Lufthansa am Dienstagnachmittag etwas belastet. Der Billigflieger-Chef sei zwar als Lautsprecher bekannt, habe bislang aber seinen Worten Taten folgen lassen, sagte ein Händler Am Montag hatte ein kräftiger Passagierzuwachs im Dezember die Ryanair-Titel auf ein Rekordhoch getrieben. Verbesserter Service und günstigerer Ticketpreisen haben die Billigairline wohl attraktiver gemacht.

 

externer Link zum Artikel:

www.spiegel.de